VABÖ Newsletter 03-2018

13.04.2018

VABÖ unterstützt die Initiative der österreichischen Abfallwirtschaft Rund geht's!

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VABÖ - Verband Abfallberatung Österreich
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A-1040 Wien

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Internet: www.vaboe.at

ZVR: 522522855


01. Abfallberater der ersten Stunde von uns gegangen:
Abschied von Harry Kraxner

In Memoriam Harry Kraxner
In Erinnerung an Harry Kraxner
© Stadt Graz Umweltamt

Anfang April ist unser langjähriger Kollege Harry Kraxner nach langer Krankheit im Alter von 60 Jahren verstorben. Er arbeitete seit 25 Jahren für das Grazer Umweltamt, jetzt musste er leider endgültig gehen, ohne sich zuvor verabschieden zu können.

Obwohl er schon länger mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, kam die Nachricht von seinem Tod dennoch überraschend. Harry Kraxner absolvierte den allerersten Abfallberaterkurs der ARGE Müllvermeidung 1986 in Graz und begann seine Tätigkeit bei der Stadt Graz im Bereich Abfallwirtschaft, er zählte also zu den ersten AbfallberaterInnen Österreichs. Die Abteilung wurde im Jahr 2003 in das Umweltamt eingegliedert, wo er seither in der Abfallberatung, im Lärmschutzreferat und im Bereich der Förderungen tätig war. Unsere tiefe Anteilnahme gilt seiner Familie und vor allem seiner Tochter, der der Verstorbene sehr verbunden war.

Traueranzeige der Stadt Graz


02. VABÖ-Blatt 01/2018:
Topthema Abfallvermeidungsprogramm Graz

VABÖ-Blatt 01-2018
VABÖ-Blatt 01/2018

Mit ihrem ambitionierten Abfallvermeidungsprogramm setzt die Stadt Graz auf kommunaler Ebene Standards. 2015 wurde es vom Gemeinderat beschlossen, derzeit wird es für die Weiterentwicklung evaluiert. In Österreich ist es das erste und bislang einzige kommunale Abfallvermeidungsprogramm, ein nachahmenswertes Beispiel für die Umsetzung theoretischer Vorgaben in konkrete kommunale Maßnahmen und somit ein ideales Thema für das neueste VABÖ-Blatt.

Auf Bundesebene gibt das Bundes-Abfallvermeidungsprogramm den umweltpolitischen Rahmen und eine gemeinsame Zielrichtung für die Abfallvermeidungsmaßnahmen in Österreich vor. Konkret handelt es sich um das Kapitel 5 des Bundesabfallwirtschaftsplanes 2017, mit dem Österreich der EU-Abfallrahmenrichtlinie nachkommt, die alle EU-Staaten verpflichtet, ein solches Programm zu veröffentlichen. Kommunen sind dazu nicht verpflichtet, die Stadt Graz aber hat als einzige in Österreich ein Abfallvermeidungsprogramm vorgelegt.

Das EU-Ziel ist, das Wirtschaftswachstum im Sinne der Kreislaufwirtschaft von der Abfallerzeugung und dem Ressourcenverbrauch abzukoppeln. Dazu braucht es unabdingbar ressourcenschonende Produktions-, Verkaufs- und Konsummuster und längere Lebenszyklen von Produkten sowie gezielte Maßnahmen für einzelne Materialströme – etwa Lebensmittel – und auch für soziale und ökonomische Themen. Mithilfe der rund 90 Maßnahmen, verteilt auf die Schwerpunkte Bauabfälle, Lebensmittelabfälle, Re-Use, Vermeidung in Betrieben/Organisationen sowie in Haushalten, sollen die Vermeidungspotentiale in eben diesen Bereichen in verstärktem Ausmaß umgesetzt werden.

Im neuesten VABÖ-Blatt erfahren Sie außerdem, wie die Stadt Graz die sieben R’s der Abfallvermeidung (Reduce, Re-Use & Repair, Recycle, Refuse, Rethink, Redesign) in das Abfallvermeidungsprogramm integriert, wie (gut) die Re-Use-Box funktioniert, wie die Stadt Reparaturen fördert, welche weiteren Abfallvermeidungsmaßnahmen geplant sind und welche Rolle die Umwelt- und AbfallberaterInnen bei all dem spielen.

Weitere Infos …

Haben Sie Fragen zum VABÖ-Blatt oder möchten Sie es in Zukunft per Post erhalten? Dann schreiben Sie bitte eine Email an info(a)vaboe.at.

VABÖ-Blätter zum Download

Infos von der Stadt Graz zum kommunalen Abfallvermeidungsprogramm

Stadt Graz Abfall: Beratung und Information

VABÖ-Newsletter 02/2018: Aktueller Bundesabfallwirtschaftsplan


03. Auftaktveranstaltung Circular Futures:
Österreich auf dem Weg in die Kreislaufwirtschaft

Circular Futures
VABÖ-Geschäftsführer Matthias Neitsch
spricht am Podium
© Umweltdachverband

Dass nur 9,1 % der Weltwirtschaft zirkulär sind, ist die ernüchternde Erkenntnis des Circularity Gap Reports, der Ende Jänner beim World Economic Forum in Davos präsentiert wurde. Österreich bekennt sich im neuen Regierungsprogramm zur Kreislaufwirtschaft. Aber was bedeutet das konkret?

Damit die Kreislaufwirtschaft kein Lippenbekenntnis bleibt, braucht Österreich eine umfassende Umgestaltung und Modernisierung seiner Wirtschaft. Was sich so leicht sagt, ist aber in der Realität eine tiefgreifende Veränderung nicht nur im Handeln, sondern auch und zuerst in der Haltung und im Denken. Der Verband Abfallberatung Österreich, arbeitet bereits seit Jahrzehnten mit seinen 365 kommunalen Umwelt- und AbfallberaterInnen in der kommunalen Bewusstseinsbildungsarbeit für ressourcenschonende Konsum- und Lebensstile.

Kreislaufwirtschaft ist ein Thema für den gesellschaftlichen Wandel. In Österreich beschränkt man sich aber derzeit darauf, Kreislaufwirtschaft als rein abfallwirtschaftliches Thema abzuhandeln. Das ist in etwa so, als ob man das Thema Migration ausschließlich von Grenzkontrollorganen diskutieren lassen würde. Es muss eine Strategiediskussionsplattform als Politikentwicklungsmotor für Kreislaufwirtschaft mit allen Stakeholdern geben. Das heißt, nicht nur jene aus dem Abfall-, Umwelt- und im weitesten Sinne Nachhaltigkeitsbereich sollen einbezogen werden, sondern vor allem auch die Zivilgesellschaft.

Kreislaufwirtschaft ist ein gesellschaftspolitisches Veränderungsthema wie Migration, wie Digitalisierung, wie die wirtschaftliche Umverteilungsfrage. Es kann nur auf gesamtgesellschaftlicher Ebene sinnvoll diskutiert werden, unter Einbindung der Zivilgesellschaft und ihrer Organisationen.

Die Kreislaufwirtschaftsdiskussion steht in Österreich also noch ganz am Anfang, viel Arbeit kommt auf uns zu. Der Start dafür war die Auftaktveranstaltung Plattform Kreislaufwirtschaft Österreich am 21. März im Haus der Europäischen Union mit hochkarätigen Keynotes, Präsentationen und Podiumsdiskussionen. Abgehalten wurde sie vom Umweltdachverband in Zusammenarbeit mit dem Verband Abfallberatung Österreich (VABÖ), RepaNet und dem European Environmental Bureau (EEB).

Hochkarätige VertreterInnen von EU-Kommission und Parlament, der österreichischen Politik und Verwaltung – u. a. Josef Plank, Generalsekretär des BMNT, Hugo-Maria Schally von der EU-Kommission und Karin Kadenbach, Mitglied des Europäischen Parlaments – haben gemeinsam mit der Zivilgesellschaft über notwendige politische Rahmenbedingungen diskutiert.

Auch VertreterInnen von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Unternehmen anderer EU-Länder stellten ihren Umgang mit der Kreislaufwirtschaft vor. In Schottland wurde beispielsweise ein Fond in der Höhe von 18 Millionen Pfund für die Förderung der Kreislaufwirtschaft eingeführt. RepaNet fordert einen österreichischen Kreislaufwirtschafts-Fonds, der sich aus Mitteln der Wirtschaftsförderung, der Arbeitsmarktförderung und des Umwelt- und Abfallressorts speist, mit dem Ziel, in Österreich tausende neue Arbeitsplätze – zu einem sehr großen Teil in der Sozialwirtschaft – im Bereich Kreislaufwirtschaft zu schaffen.

Weitere Infos …

auf Twitter unter #CircularFutures oder unter diesem Link

Presseaussendung Umweltdachverband

Webseite von Circular Futures (Plattform Kreislaufwirtschaft Österreich) Veranstaltungsempfehlungen der Plattform Kreislaufwirtschaft Österreich

RepaNet: Österreich auf dem Weg in die Kreislaufwirtschaft


04. Teurer, weniger Inhalt, mehr Verpackungsmüll:
Getränkedosen in Kleinformat verschwenden noch mehr Ressourcen

Umweltschädliche Mini-Aludosen
Quelle: BMNT,
Fotograf/in: UBA/Gröger

Es sei ein Angriff auf das deutsche Mehrwegsystem, warnte im April die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Nun sind die Coca-Cola-Minidosen mit 0,15 Liter Füllvolumen im Handel erhältlich. Im Verhältnis zu ihrem Inhalt verbrauchen die Kleindosen mehr Ressourcen und Energie als die ohnehin umweltschädlichen größeren Getränkedosen.

Auch Coca-Cola muss sich in der Ansicht der DUH seiner Verantwortung stellen, seinen Beitrag zur 70-%-Mehrwegquote in Deutschland zu leisten und nicht dagegen zu arbeiten. „Mit der geplanten Einführung der Mini-Dosen folgt der nächste Angriff durch Coca-Cola auf das umweltfreundliche Mehrwegsystem in Deutschland. Die 1,5 Liter und 0,5 Liter Mehrwegflasche wurden bereits abgeschafft und aus dem Sortiment genommen. Der Verpackungsverbrauch in Deutschland erreicht von Jahr zu Jahr neue Rekordwerte und dem amerikanischen Brausekonzern fällt nichts Besseres ein, als noch eins draufzusetzen. Kleindosen verschlechtern das Verhältnis der verpackten Getränkemenge im Vergleich zum eingesetzten Verpackungsmaterial erheblich. Es ist ein Skandal, dass Coca-Cola diesen ökologischen Irrsinn zu einem Trend für Verbraucher machen möchte”, kritisiert der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Wenn Coca-Cola weiterhin mit erfinderischer Dreistigkeit das Aufkommen an Einwegverpackungen in Deutschland fördert, sieht Resch die deutsche Bundesregierung in der Pflicht, durch gezielte Maßnahmen dafür zu sorgen, dass die gesetzliche Mehrwegquote von 70 Prozent erreicht wird. Ein konkreter Vorschlag ist eine Abgabe auf unökologische Getränkeverpackungen in Höhe von 20 Cent zusätzlich zum Pfand. Die Mehrwegflasche sei mit bis zu 60 Wiederbefüllungen jedenfalls die ressourcen- und klimaschonendere Alternative. „Eine der umweltunfreundlichsten Getränkeverpackungen ist die Getränkedose. Deren Produktion verbraucht viel Energie. Sie wird in Deutschland bundesweit von nur wenigen Abfüllanlagen über lange Strecken transportiert. Weil für deren Herstellung auch Neumaterial eingesetzt wird, müssen Aluminium- oder Eisenerz gewonnen werden. Für deren Abbau werden im südamerikanischen Urwald, in Asien oder Australien Böden abgebaggert. Zudem kommen auf eine Tonne Aluminium bis zu vier Tonnen giftiger Rotschlamm als Abfallprodukt. Am Ende wird dieser in riesige Becken geleitet und stellt eine ernstzunehmende Gefahr dar”, sagt der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer.

Im Internet findet man die Minidose noch nicht leicht. Bei diversen Online-Lebensmittelhändlern ist sie zwar erhältlich, aber auf den Coca-Cola-Webseiten für Deutschland und Österreich wird sie nicht groß beworben. Für die Werbefotos wurde die klassische und wohl appetitlichere Glasflasche vorgezogen.

Aber auch in Österreich ist die Minidose von Coca Cola schon zu kriegen: Mitte April wurden solche schon vor dem Hauptgebäude der Universität Wien als gratis Werbegeschenk an Vorüberlaufende verteilt.

Der VABÖ setzt sich seit seiner Gründung für die Förderung von Mehrweggetränkeverpackungen vor Einweg ein und sieht die Entwicklung in Österreich mit Besorgnis. Die letzten Jahre wurden von der Getränkeindustrie nicht genutzt, um hier Fortschritte zu machen. Ganz im Gegenteil: Die Tendenz sind kleinere Gebinde und ein verschwindender Mehrweganteil, mit Ausnahme des Gastgewerbes.

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Gedanken zur Nachhaltigkeitsagenda für Getränkeverpackungen von Thomas Fischer, WKO

Gedanken zur Nachhaltigkeitsagenda für Getränkeverpackungen von Elmar Schwarzlmüller, „die umweltberatung” Wien

Gedanken zur Nachhaltigkeitsagenda für Getränkeverpackungen von Christian Pladerer, Österreichisches Ökologie-Institut

Offener Brief Mehrweg

Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe


 05. Gemeinsame Schulprojektwoche von EAK und MA48:
Cool ist, wer richtig trennt

Schulprojektwoche von EAK und MA48
© EAK Austria GmbH
APA-Fotoservice/Schedl

„Lässig Sammeln statt uncool Wegwerfen” war das erfolgreiche Motto der Schulprojektwoche im Bildungszentrum Kenyongasse (Wien, 7. Bezirk), veranstaltet auf Initiative der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle Austria GmbH (EAK) gemeinsam mit der MA 48. Die Schülerinnen und Schüler lernten, woher die Materialien für ihre Smartphones und andere Geräte kommen, worauf sie bei der Abfalltrennung achten sollten und sammelten an einem Sammeltag mehr als 5.700 ausgediente Elektrokleingeräte. Die Projektwoche soll nun allen Schulen und Schultypen offen stehen.

Die Idee zu dieser Projektwoche basiert auf der Arbeit und Erfahrung der EAK und den engagierten Abfallberaterinnen und Abfallberatern. 30 Klassen haben am Bildungszentrum Kenyongasse an diesem Projekt teilgenommen. Die wichtigsten Themen rund um Abfallvermeidung und Trennung waren Elektroaltgeräte, Batterien und Akkus. Zu der Projektwoche vom 19. bis zum 23. Februar gehörten unter anderem Workshops zur Sammlung und Verwertung von Elektroaltgeräten und Gerätebatterien, die von den Abfallberatern und –beraterinnen der MA48 durchgeführt wurden, verschiedene Spiele, ein Sammeltag für Elektrokleingeräte und Exkursionen, zum Beispiel zu Abfallverwertungsbetrieben.

Die EAK stellte für die Workshops den bereits seit 2014 etablierten EAG- und Altbatterien-Schulkoffer zur Verfügung. Damit lernen Jugendliche und Kinder beispielsweise anhand von einem zerlegten Smartphone, welche wertvollen und recyclebaren Stoffe in ihrem täglichen Begleiter stecken. „Auch die sachgemäße Sammlung und Entsorgung von Lithium-Batterien und Akkus ist ein sehr aktuelles und wichtiges Thema”, erklärte Elisabeth Giehser, Geschäftsführerin der EAK, anlässlich der Eröffnungsveranstaltung. Da Lithium-Batterien durch Wärme oder wegen mechanischer Beschädigungen gefährlich werden können, wurden die kommunalen Sammelstellen erst kürzlich mit speziellen Fässern ausgestattet, in denen große oder beschädigte Lithium-Batterien und Akkus problemlos und sicher gesammelt werden können.

Der siebte Wiener Gemeinde Bezirk, Neubau, in dem sich das Bildungszentrum Kenyongasse befindet, ist einer der dichtbebautesten in Wien und hat kein eigenes Abfallsammelzentrum, das heißt, das getrennte Sammeln von Problemstoffen und Sondermüll ist hier aufwendiger als in jenen Bezirken, wo es Mistplätze gibt. Daher sei es essenziell, den Kindern bereits im Schulalter zu zeigen, wie wichtig nachhaltiges Verhalten ist, so Bezirksvorsteher Markus Reiter.

Die Schülerinnen und Schüler resümierten die Projektwoche auf der abschließenden Pressekonferenz am 23. Februar. „In ausgedienten Elektrogeräten wie Smartphones oder Laptops stecken jede Menge Rohstoffe, die wertvoll sind und die verwertet oder wiederverwendet werden können”, erklärte die siebzehnjährige Amelie, eine von fünf SchülerInnen, die bei der Pressekonferenz am Podium saßen und Fragen beantworteten. Eine eindrucksvolle Neuigkeit war für die Jugendlichen auch, dass eine Tonne alter Handys bis zu 50 Mal mehr Gold enthält als eine Tonne Golderz oder dass eine Waschmaschine neben anderen recyclebaren Stoffen zu 60 % aus Eisen besteht und ein Elektroherd sogar zu 83 %.

„In Wien werden jährlich mehr als 11.000 Tonnen Elektroaltgeräte gesammelt”, ergänzte Ulrike Volk, Sprecherin der MA48. Etwa 1.500 Tonnen davon kommen pro Jahr ins Demontage- und Recycling-Zentrum (D.R.Z.) in Wien 14, dass die Schulklassen im Rahmen des Projektes besuchten. Dort sahen sie, wie Elektroaltgeräte, die nicht mehr repariert werden können, zerlegt und für das Recycling getrennt werden. Exkursionen gab es abgesehen vom DRZ auch zum 48er Tandler. Ein weiteres Highlight der Projektwoche war der Sammeltag für Elektrokleingeräte: Die Klasse 4A wurde von der EAK für das höchste Sammelergebnis mit 500 Euro für die Klassenkasse prämiert.

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Eindrücke von der Schulprojektwoche gibt es auch auf Facebook

Zusammenfassung der Schülerinnen und Schüler in dieser OTS-Aussendung zur Abschlussveranstaltung

VABÖ-Newsletter August 2017: Pilotprojekt für Umweltbildung – Schulkoffer goes to Germany


06. Resolution vom Umweltverband Vorarlberg:
Mit Pfand gegen Littering

Pfand gegen Littering
© Martin Jäger, pixelio.de

Littering, also das achtlose Wegwerfen von Abfällen im öffentlichen Raum, nimmt zu und damit die Verschmutzung unserer Umgebung. Ein besonders drastisches Beispiel sind die riesigen Mengen an Plastik in den Weltmeeren. Zu den Verursachern gehört das Littering an Land, das wir auch in Österreich zur Genüge kennen. So kämpfen auch die Vorarlberger Gemeinden zunehmend mit der ständig steigenden Verschmutzung des öffentlichen Raumes. (Quelle: Resolution des Umweltverbands Vorarlberg)

Bei den jährlichen Flurreinigungsaktionen, an denen durchschnittlich 10.000 Personen teilnehmen, wurden in den Vorarlberger Gemeinden über 80 Tonnen an achtlos weggeworfenen Abfällen eingesammelt. Die jährlichen Kosten für die „Entmüllung” der öffentlichen Straßen und Infrastruktureinrichtungen in Vorarlberg belaufen sich (Stand April 2016) auf rund 3.000.000 Euro.

Auf Initiative der Vorarlberger Städte hat sich vor kurzem auch der Vorarlberger Landtag mit entsprechenden Strafmöglichkeiten von Littering auseinandergesetzt. Auf Basis des Landesabfallwirtschaftsgesetzes wurden Gemeinden via Verordnung ermächtigt, Littering direkt zu bestrafen.

Studien zufolge nehmen Getränkeverpackungen einen wesentlichen Anteil bei den Littering-Abfällen ein. Gleichzeitig ist in den vergangenen Jahren in Österreich die Einwegquote bei Getränkeverpackungen angestiegen, von unter 50 % im Jahr 2002 auf über 80 % im Jahr 2016. Trotzdem setzt der Bund nach wie vor auf die freiwillige Selbstverpflichtung der Getränkewirtschaft (siehe auch unten die Gedanken zur Nachhaltigkeitsagenda).

Doch es gibt Möglichkeiten, um Littering flächendeckend zu reduzieren. Immer mehr EU-Mitgliedsländer führen Pfandsysteme für Getränkeverpackungen ein, zuletzt Litauen und Kroatien mit positiven Ergebnissen. Auch auf der EU-Ebene werden aktuell Pfandsysteme, u.a. zur Bekämpfung von Littering, ernsthaft geprüft.

Ein österreichweites Pfandsystem hätte folgende Vorteile:
– Nachweisliche Reduktion der Littering-Abfälle im öffentlichen Raum
– Hoher Erfassungsgrad von Getränkeverpackungsabfällen
– Deutliche Steigerung der Recyclingquoten durch sortenreine Erfassung von Getränkeverpackungsabfällen

Deshalb fordern die Vorarlberger Gemeinden und der Umweltverband Vorarlberg in ihrer Resolution vom 15. November 2017 den Bund dazu auf, ein verpflichtendes Pfandsystem für alle Getränkeverpackungen einzuführen und durch geeignete Maßnahmen den Mehrweganteil bei Getränkeverpackungen zu erhöhen.

Aus Sicht des VABÖ ist diese Initiative grundsätzlich zu begrüßen, allerdings geben wir zu bedenken, dass derzeit unter ExpertInnen umstritten ist, ob Einwegpfand im Getränkebereich neben der zweifellos positiven Wirkung gegen Littering auch die eigentlich erwünschten Mehrwegflaschen wirksam fördern würde. Ein Einwegpfand sollte daher aus unserer Sicht nur in Verbindung mit gesetzlichen Maßnahmen zur Erhöhung der Mehrwegquote eingeführt werden.

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Resolution des Umweltverbands

Fakten zum Littering

Gedanken zur Nachhaltigkeitsagenda von Thomas Fischer, WKO

Gedanken zur Nachhaltigkeitsagenda von Elmar Schwarzlmüller, „die umweltberatung” Wien

Gedanken zur Nachhaltigkeitsagenda von Christian Pladerer, Ökologie-Institut

Infos zur Nachhaltigkeitsagenda für Getränkeverpackungen 2018-2030 (freiwillige Selbstverpflichtung der Getränkewirtschaft)

Nachhaltigkeitsagenda 2018-2030

Nachhaltigkeitsagenda 2008-2017

Zusatzvereinbarung Mehrweg 2011

Offener Brief Mehrweg

VABÖ-Blatt 1/2016 Topthema Mehrweg


07. ExpertInnendiskussion bei ÖKOBÜRO:
Nachhaltige Entwicklungsziele müssen auf die Agenda der Regierung

Nachhaltige Entwicklungsziele
© Elisabeth Pollak, ÖKOBÜRO

In Sachen nachhaltige Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDGs) kann sich Österreich von Deutschland etwas abschauen: Dort führt die Kanzlerin selbst den Umsetzungsprozess, unterstützt wird sie von den Staatssekretariaten und einem Sachverständigenrat aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. So ein Ansatz wäre auch für Österreich nicht nur wünschenswert, sondern notwendig, sagt ÖKOBÜRO-Geschäftsführer Thomas Alge in seiner Begrüßung bei der Podiumsdiskussion „Österreich 2030? Die SDGs als Zukunftschance”. (Quelle: ÖKOBÜRO)

Die Bedingungen seien gut, österreichische Unternehmen exportieren schon seit Jahren Hochtechnologieprodukte und Know How zu Abfallwirtschaft, Trinkwasser- und Luftqualität, und mehr, denn hierzulande haben die Umweltstandards schon vor den meisten anderen Ländern ein gutes Niveau erreicht, so Alge. Die SDGs sind die Chance, auf dieser Schiene weiterzumachen, wenn die Politik die richtigen Maßnahmen setzt und die Umsetzung der SDGs zur Chefsache erklärt.

Auch der Generalsekretär des Ministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus Josef Plank betont die Bedeutung der SDGs als Zukunftschance: „Wir kommen nicht weiter, wenn wir sagen, wir müssen irgendwas tun, weil wir irgendwelche Ziele unterschrieben haben. Wir müssen zeigen, dass diese Herausforderungen auf einem verträglichen und nachhaltigen Weg nach vorne nicht als Bedrohung oder Pflichterfüllung gesehen wird, sondern als Chance für alle.” Unterstützung kam auch von Fred Luks, Leiter des Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit an der Wirtschaftsuniversität Wien. Österreich habe eine sehr engagierte Zivilgesellschaft und es gebe ausgezeichnete Hochschulen, die zu den Nachhaltigkeitszielen forschen: „Die Regierung braucht nur die Hand auszustrecken und hat gleich die richtigen Partner”, sagt Luks.

Für Monika Langthaler, Geschäftsführerin der Unternehmungsberatung brainbows, sind die SDGs eine Chance, denn den modernen Unternehmen sei bewusst, dass solche Prozesse einen enormen Innovationsschub bringen.

Werner Kerschbaum, Generalsekretär des Roten Kreuz, zeigt sich verwundert darüber, dass seit Beschluss der SDGs 2015 die österreichische Zivilgesellschaft noch nicht zu einem Dialog am Round Table eingeladen worden ist. Das Rote Kreuz stehe zur Verfügung, wenn die ersehnte Einladung von Bundeskanzler Kurz kommt, der seinerseits bereits im September bestätigt, dass es für die SDG-Umsetzung die aktive Zusammenarbeit mit Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft benötige.

Dass die Regierung am Zug sei, meinen auch ÖVP-Umweltsprecher Johannes Schmuckenschlager und SPÖ-Sprecherin für globale Entwicklung, Petra Bayr, auch wenn das Parlament eine aktive Rolle bei der SDG-Umsetzung spielen soll.

Der VABÖ ist wie über 120 weitere Organisationen Mitglied bei SDG Watch Austria und unterstützt damit die Agenda, Österreich auf seinem Weg einer nachhaltigen Entwicklung weiterzubringen. Der VABÖ trägt dazu mit Hilfe der AbfallberaterInnen u.a. die Bewusstseinsbildung und Förderung von Abfallvermeidung und besserer Sammlung und die Forderung nach verpflichtenden abfallrechtlichen Maßnahmen bei. (Die SDGs aus Sicht der Abfallberatung zusammengefasst finden Sie im VABÖ-Newsletter vom Oktober 2017.)

Mehr Infos …

Presseaussendung von ÖKOBÜRO

VABÖ-Newsletter vom November 2017: SGD Watch Austria – Zivilgesellschaftliche Organisationen für nachhaltige Entwicklung

VABÖ-Newsletter vom Oktober 2017: Die SDGs aus der Sicht der Abfallberatung

VABÖ-Blatt 3/2017 mit Schwerpunkt SDGs

Zur SDG-WATCH Austria Website

Kommentar von ÖKOBÜRO-Geschäftsführer Thomas Alge in Der Standard: „Warum Weltretten auch der Wirtschaft nützt”


08. Bundesabfallwirtschaftsplan:
Größtes Abfallvermeidungspotential bei Lebensmitteln und im Bau

Abfallvermeidungspotential bei Lebensmitteln und im Bau
Quelle: BMNT, Foto links: Fotograf UBA/
Gröger, Foto rechts: Fotograf Christoph Fuchs

Österreich steht zwar in der EU bei der Recyclingrate hinter Deutschland an der zweiten Stelle, aber in der Abfallwirtschaft gibt es weiterhin Handlungsbedarf, insbesondere bei Lebensmitteln und im Baubereich. Das Umweltressort des BMNT (Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus) stützt sich im Bundesabfallwirtschaftsplan 2017 im Sinne der Ressourcenschonung, des Umweltschutzes und der Schadstoffminimierung auf die Abfallhierarchie (Vermeiden, Wiederverwenden, Recyceln, sonstig Verwerten, Beseitigen). (Quelle: Parlamentskorrespondenz)

Insgesamt bietet der gut 600 Seiten umfassende Bericht zum Bundesabfallwirtschaftsplan 2017 einen detaillierten Einblick in die österreichische Abfallwirtschaft: rechtliche Rahmenbedingungen, Bestandsaufnahmen zu Abfallströmen und –aufkommen und daraus abgeleitete konkrete Maßnahmen (Siehe auch VABÖ-Newsletter 02/2018).

Im Jahr 2015 lag das Abfallaufkommen in Österreich bei knapp 60 Mio. Tonnen. Davon waren gut 57 Mio. Tonnen Primärabfälle, der Rest (Sekundärabfälle) entstand durch die Behandlung dieses Mülls, etwa Aschen aus der Abfallverbrennung. Die Ursache dafür, dass die Primärabfälle seit 2009 um 10,4 % angestiegen sind, liegt dem Ministerium zufolge vor allem im Bauwesen, insbesondere wegen der steigenden Mengen an Aushubmaterialien, aber auch anderen Faktoren. Der Hausmüll ist ebenfalls, aber weniger angestiegen, nämlich um 6,8 %, das sind über 4 Mio. Tonnen. Es wurden außerdem mehr Altstoffe und biogene Abfälle getrennt gesammelt. Gesunken ist das Sperrmüllaufkommen.

Auf Grundlage der voraussichtlichen Entwicklung des Bruttosozialprodukts und des Bevölkerungswachstums wird für 2021 ein Gesamtabfallvolumen von rund 65,1 Mio. Tonnen erwartet. Die 2.500 Abfallbehandlungsanlagen, die es derzeit in Österreich gibt, könnten nach der Einschätzung des Ministeriums auch mit dieser Menge zurechtkommen. Von diesen Anlagen sind 999 Deponien, 420 Behandlungsanlagen für Baurestmassen, 401 Kompositierungsanlagen und 152 Biogasanlagen.

Seit 2011 wurden im Re-Use und vor allem bei der Vermeidung von Lebensmittelabfällen Fortschritte erzielt. Die Lebensmittelverschwendung soll bis 2030 um die Hälfte zurückgehen, hier besteht weiterhin Handlungsbedarf. Ein Vorschlag ist ein Gütesiegel für jene Unternehmen, die Lebensmittel an soziale Einrichtungen weitergeben. Mit Informationskampagnen – zum Beispiel mit Aufklärung zur Genussfähigkeit von Lebensmitteln über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus – sollen die privaten Haushalte, Landwirtschaft, Betriebe und Bildungseinrichtungen erreicht werden.

Im zweiten Bereich mit Handlungsbedarf, dem Bau, besteht Informationsmangel, etwa bei der Verlängerung der Lebensdauer von Gebäuden und dem Urban Mining, bei dem menschengemachte Rohstofflagerstätten, etwa Elektroschrot, identifiziert werden. Baurestmassen sollen vermieden werden und die Entwicklung langlebigerer, reparaturfähiger und leichter wiedernutzbarer Produkte mit niedrigem Schadstoffgehalt.

Leicht zurückgegangen ist auch der kommunale Klärschlamm, der in Kläranlagen vom Abwasser getrennt wird, nämlich um 1,8 % von 2014 bis 2015. Mikroplastik im Klärschlamm ist mit hoher Wahrscheinlichkeit mitverantwortlich für die Plastikverschmutzung der Meere. Deshalb empfehlen die ExpertInnen im Bundesabfallwirtschaftsplan, beim Umgang mit Klärschlamm besonders umsichtig zu sein. Zum Düngen in der Landwirtschaft sei er nicht geeignet, auch wenn der enthaltene Phosphor ein wichtiger Bestandteil von Düngemitteln ist. Aktuell wird mehr als die Hälfte der kommunalen Klärschlämme verbrannt. Das Umweltressort rät dazu, die Verwendung von Mikroplastik in Kosmetika europaweit einzuschränken. KonsumentInnen können schon jetzt beim Kauf darauf achten, dass ihre Kosmetikprodukte kein Mikroplastik enthalten. Die produzierende Industrie ist angehalten, hier Verantwortung zu übernehmen.

Auch wenn Österreich im Recycling überwiegend vorbildlich ist, muss es sich bei den Verpackungsabfällen, Altautos und Elektrogeräten noch steigern. Auch beim nachhaltigen Phosphorrecycling aus Klärschlamm und bei Tiermehl gibt es reichlich Luft nach oben.

Jene Stoffe, die nicht mehr fürs Recycling geeignet sind, sollen möglichst ressourcenschonend genutzt werden, etwa als Brennstoffsubstitut in der Industrie. Damit wird Abfall nicht nur beseitigt, sondern auch andere Brennstoffe und dadurch ein Teil der klimaschädlichen Emissionen eingespart. Außerdem sind diese Stoffe günstiger und machen Österreich weniger abhängig von importierten Brennstoffen.

Auf der fünften Stufe der Abfallhierarchie bleibt idealerweise nur noch das übrig, was sich unter den gegebenen Umständen nicht vermeiden lässt, etwa die Asche aus der thermischen Verwertung. Die Deponierung bleibt also dennoch unverzichtbar. Aber Asche ist nicht das einzige, was in der Deponie landet. Bei Kunststoffen, der häufig aus verschiedenen, auch schädlichen Stoffen zusammengesetzt sind, ist ein hochwertiges Recycling schwierig. Bei der Verarbeitung von Kunststoffabfällen kommt es häufig zum Zielkonflikt Ressourcenschonung versus Vermeidung von Schadstoffverschleppungen. Nur rund ein Viertel der Kunststoffabfälle wird recycelt.

Um Verschwendungen dieser Art zu vermeiden und da Rohstoffe (besonders in Europa) begrenzt sind, soll in der EU langfristig das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch entkoppelt werden. Zu diesem Zweck haben die EU-Institutionen im Dezember 2018 das Kreislaufwirtschaftspaket fix beschlossen. Dazu gehört auch die EU-Strategie für Abfallvermeidung und –recycling. Diese kann aber nicht von der Abfallwirtschaft alleine umgesetzt werden, auch die Bevölkerung und die Wirtschaft sind gefordert, zum Beispiel mit Öko-Design, gemeinschaftlicher Nutzung, Reparaturinitiativen und besserer Vernetzung der Produktionsbetriebe mit der Abfallwirtschaft.

Weitere Informationen …

Parlamentskorrespondenz: Abfallwirtschaftsbericht: Österreich produziert laufend mehr Müll

VABÖ-Newsletter 02/2018: Maßnahmen für die Abfallvermeidung bis 2023

Bundesabfallwirtschaftsplan zum Download

Initiative „Lebensmittel sind kostbar!”

VABÖ-Blatt 1/2015: Lebensmittel


09. EU-Kommission veröffentlicht Bericht zu Bioplastik:
Sogenannte biologisch abbaubare Kunststoffe potentiell gefährlich

EU-Kommission Bericht zu Bioplastik
© Greta Sparer, VABÖ

Um den Verbrauch von Plastiksackerln zu reduzieren, sah die entsprechende europäische Richtlinie von 2015 unter anderem vor, dass biologisch abbaubare Kunststoffe untersucht werden sollten. Der Bericht der Kommission liegt nun vor, mit eindeutigen und zwar negativen Ergebnissen. (Quelle: RECYCLING magazin)

Es seien zwar fast alle Stoffe biologisch abbaubar, das kann aber mehrere Hundert Jahre dauern. Um die Umwelt real zu schützen, müssen die Kunststoffe schneller abgebaut werden. Das hängt vor allem von den Rahmenbedingungen der Kompostierung ab, etwa von Wärme- und Sauerstoffzufuhr. Ob ein Kunststoff aus biologischem oder fossilem Material besteht, ist dabei nicht relevant. Denn wenn ein oxo-abbaubarer Kunststoff (sogenannter biologisch abbaubarer Kunststoff) nicht innerhalb einer akzeptablen Zeit abgebaut werden kann, zerfällt er zu Mikroplastik mit den bekannten Folgen. Die EU-Kommission gibt außerdem zu bedenken, dass das Branding als biologisch abbaubar zu mehr Littering führen könnte, da es den VerbaucherInnen nahelegt, dass das Material in der Natur einfach kompostiert wird.

Grundsätzlich werden diese Materialien zwar verhältnismäßig schneller abgebaut, aber damit der Kompostierungsprozess einsetzt, braucht es Sonnenlicht und Wärme. Da diese Faktoren in der Natur nicht berechenbar sind, kann man nicht berechnen, wie lange zum Beispiel ein bilogisch abbaubares Kunststoffsackerl braucht, bis es abgebaut ist. Das heißt auch, dass es unter ungünstigen Bedingungen gar nicht zerfällt.

Das Fazit ist, dass die oxo-abbaubaren Kunststoffe nicht die EU-Kriterien erfüllen und nicht für die Kompostierung geeignet sind, weil selbst unter idealen Umständen noch Rückstände im Kompost wären. Noch schlechter sind die Umweltauswirkungen aber, wenn diese Kunststoffe in Deponien landen: Denn wenn sie nicht genug Sauerstoff bekommen, und das ist auf Deponien vor allem in den tieferen Schichten der Normalfall, setzt der problematische Abbau ohne Sauerstoff ein. Dabei entsteht nämlich Methan, das 25 Mal so schädlich ist wie Kohlenstoffdioxid. Das heißt, diese Kunststoffe sind auf Deponien sogar noch schädlicher als die nicht biologisch abbaubaren.

Der sogenannte Biokunststoff wird auch nicht das Plastikproblem in den Weltmeeren lösen. Es gibt noch keine Untersuchungen hierzu, aber der Abbau dauert an Land schon zu lange und würde im Wasser, wo es weniger Sauerstoff und Bakterien gibt, noch länger dauern.

Es steht zwar das Argument im Raum, dass die Kunststoffe mit beigemengten zusätzlichen oxidierenden Stoffen schneller zerfallen, aber bisher gibt es noch keine Ergebnisse dazu, wie lange das dauern wird, ob der Zeitraum akzeptabel und das Endprodukt tatsächlich ungefährlicher Humus ist. Im Gegenteil, da es keine Standards für die Zusammensetzung und zu wenige Erfahrungswerte gibt, kann auch nicht sichergestellt werden, dass die Stoffmischungen nicht zusätzlich gefährlich sind.

Da sich die oxo-abbaubaren Kunststoffe unter den entsprechenden Umständen zumindest teilweise zersetzen, sind sie auch für das Recycling nicht geeignet und müssen getrennt von anderen Kunststoffen gesammelt werden.

Die Vorteile der oxo-abbaubaren Kunststoffe sind also unklar, ihre Nachteile hingegen nachgewiesen. Die Kommission kündigt deshalb an, dass sie Schritte einleiten wird, um die Beschränkung von oxo-abbaubaren Kunststoffen zu erreichen.

Das RECYCLING magazin berichtet über wirtschaftliche, politische und technische Entwicklungen in der Recycling- und Entsorgungswirtschaft.

Weitere Infos …

Die Infos zu diesem Artikel stammen aus dem RECYCLING magazin 02/2018, S. 31: Wider den Bio-Pfusch. Zum Inhalt der Ausgabe geht es hier…

Über das RECYCLING magazin

Bericht der EU-Kommission zu den Auswirkungen von oxo-abbaubaren Kunststoffen (Englisch)


10. Per Urteil entschieden:
Sperrmüll in Deutschland nicht überlassungspflichtig

Sperrmüll in Deutschland nicht überlassungspflichtig
© KFM, pixelio.de

Das deutsche Bundesverwaltungsgericht hat im Februar entschieden, dass Sperrmüll nicht andienungspflichtig ist. Das heißt, dass die Sammlung von Sperrmüll nicht ausschließlich in die Zuständigkeit der Kommunen fällt, sondern auch von autonomen, etwa gewerblichen Sammlern durchgeführt werden kann. In Österreich ist die Situation differenzierter.

Begründet wurde das Urteil vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig damit, dass die Überlassungspflicht nur für gemischte Abfälle aus privaten Haushalten besteht, die in den entsprechenden Tonnen gesammelt werden, Sperrmüll gehöre nicht dazu.

Das Webportal für Kommunalwirtschaft, kommunalwirtschaft.eu, rechnet damit, dass nach diesem Urteil noch weitere rechtliche Auseinandersetzungen folgen werden, bei denen gewerbliche und öffentliche Interessen bei der Abfallsammlung gegeneinander abgewogen werden müssen.

In Österreich geht die ARGE der österreichischen Abfallwirtschaftsverbände (ARGE AWV) generell davon aus, dass Sperrmüll ungefährlicher Siedlungsabfall aus Haushalten sowie vergleichbaren Einrichtungen und damit andienungspflichtig ist. Hierzulande ist die Situation aber differenzierter als in Deutschland. „In den Bundesländern, außer Wien, ist der Sperrmüll andienungspflichtig. Wegen der Verunreinigungen des Straßenbildes durch illegale Sammler wurden etwa in Niederösterreich in den letzten 15 Jahren die bis dahin praktizierten zweimal jährlichen Sperrmüllsammlungen umgestellt auf die Abgabe des Sperrmülls bei den Altstoffsammelzentren mit erweiterten Öffnungszeiten. Für Menschen ohne Transportmöglichkeiten wird eine einmalige kostenlose Abholung von der Liegenschaft angeboten”, erklärt Dr. Johann Mayr, Bundeskoordinator der ARGE AWV gegenüber dem VABÖ.

In Wien ist der Sperrmüll zwar schon seit vielen Jahren nicht mehr andienungspflichtig, legale, gewerbliche Sperrmüllsammler sind der ARGE AWV aber auch hier nicht bekannt.

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Pressemitteilung des deutschen Bundesverwaltungsgerichts

Artikel von kommunalwirtschaft.eu

ARGE AWV

 

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