VABÖ-Newsletter April/Mai 2014

Verband Abfallberatung Österreich (VABÖ)

20.05.2014

Wenn Sie interessante Infos haben, die andere AkteurInnen in der Umwelt- und Abfall-Öffentlichkeitsarbeit, Gemeinden, Verbände etc. interessieren könnte, senden Sie diese bitte an vaboe@arge.at.

Newsletter bestellen

Wenn Sie unseren VABÖ-Newsletter künftig regelmäßig erhalten wollen, bitten wir Sie, den Newsletter zu bestellen.

Sollten Sie unseren Newsletter ungewollt erhalten haben, möchten wir uns entschuldigen - bitte senden Sie uns eine kurze Nachricht und Sie erhalten keinen VABÖ-Newsletter mehr. Newsletter abmelden

Wenn Sie uns das E-Mail nicht retournieren, gehen wir davon aus, dass Sie weiterhin unseren Newsletter erhalten möchten.

Kontakt/Impressum:

VABÖ - Verband Abfallberatung Österreich
Dreihackengasse 1,
A-8020 Graz

E-mail: vaboe@arge.at
Internet: www.vaboe.at

ZVR: 522522855

01. Ankündigung:
Re-Use-Konferenz 2014 am 2. Juli in Graz

Re-Use Konferenz der ZERO WASTE AKADEMIE

Am 2. Juli wird heuer zum dritten Mal die österreichische Re-Use-Konferenz in Graz stattfinden. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt heuer in bislang von der Abfallwirtschaft wenig beachteten Aspekten: Re-Use im Baubereich, Re-Use & Design, Re-Use als gesellschaftliche Bewegung hin zu mehr Unabhängigkeit und Selbstbestimmung ("self-empowerment"), Re-Use als innovativ-trendiges Life-Style-Feature der Zukunft.

Re-Use beinhaltet mehr als nur das Wiederverwenden von gebrauchten Gegenständen! Es eignet sich insbesondere für die kommunale Abfallberatung als neuer Angelpunkt der Umwelterziehung, Aufklärungs- und Bewusstseinsarbeit, weil sich an Hand von Re-Use die komplexen Zusammenhänge und Grenzen unserer Wegwerfgesellschaft plastisch sichtbar machen lassen bei gleichzeitigem Aufzeigen von trendigen Alternativen ohne Verzicht auf Lebensqualität.

ExpertInnen aus Belgien, Frankreich, Deutschland und Österreich diskutieren über aktuelle Entwicklungen und innovative Umsetzungsaktivitäten von Re-Use. Durch die Präsentation von Good Practice-Beispielen werden die möglichen Potenziale von Re-Use auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene aufgezeigt. Programm und nähere Infos werden demnächst versendet.

02. Österreichische Abfallberatung:
Ungarn ist beeindruckt

Abfallwirtschaft Ungarn

Auf Einladung des ungarischen Umweltstaatssekretärs Dr. Zoltán Illés stellte VABÖ-Sprecher Matthias Neitsch das bewährte österreichische Modell der kommunalen Umwelt- und Abfallberatung am 20. März bei der ersten internationalen Abfallwirtschaftskonferenz in Gödöllö (Ungarn) vor. Das Modell stieß auf großes Interesse, weiterführende Kontakte wurden geknüpft.

Wesentlichste Botschaft von Neitsch: Eine frühzeitige Investition in flächendeckende kommunale Umwelt- und Abfallberatung am Beginn großer struktureller Umwälzungen in der Abfallwirtschaft hilft, relativ rasch (innerhalb weniger Jahre) die gut bewirtschaftbaren Abfallfraktionen günstig zu erfassen, öffentliche Akzeptanz für notwendige, aber unpopuläre Maßnahmen zu schaffen und dadurch die nötigen Investitionen in "End-of-Pipe-Technologien" stark zu verringern. So müssen in Österreich aufgrund der guten Trennmoral deutlich weniger als 50% der Siedlungsabfälle "endbehandelt" werden. Kurz: (inländisches) Humankapital verringert (ausländisches) Anlagenkapital - ein Ansatz, der in Ungarn angesichts allgegenwärtiger Finanzierungsprobleme Hoffnungsschimmer aufkommen lässt.

Ungarn versucht derzeit, in der Gestaltung seiner künftigen Abfallwirtschaft einen eigenständigen Weg zu entwickeln - der Chef der zuständigen Abfallwirtschaftsagentur des Ministeriums, Oszkár Vámosi, erläuterte: "Bis 1990 hatten wir 100% staatliche Planwirtschaft. Dann wurde fast alles privatisiert. Beide Wege haben sich in der Abfallwirtschaft als desaströs herausgestellt. Nun suchen wir einen Mittelweg, der öffentliche Kontrolle mit wirtschaftlicher Effizienz vereint." Man will dabei von anderen Ländern lernen, steht aber vor der Herausforderung, die positiven Modelle an die spezifischen ungarischen Rahmenbedingungen anzupassen - ein schwieriger Prozess mit oft drastischen Einschnitten, besonders für ausländische Entsorger (auch aus Österreich), die sich derzeit mit der defacto "Teil-Rückverstaatlichung" um die Früchte ihrer Aufbauarbeit betrogen sehen.

03. Nachlese zur ÖWAV-Abfallwirtschaftstagung 2014:
Abfallwirtschaft sucht neue Orientierung

Re-Use Box Team Steiermark
Re-Use Box
Das steirische Re-Use Box Team
Foto: ARGE Abfallvermeidung

Spürbar ist derzeit das Ringen der Abfallwirtschaft um neue Orientierungspunkte in einer sich rasant verändernden Umgebung: Der klassische Umweltschutz ist "abgearbeitet", die Herausforderungen verlagern sich von der ENT-sorgung unerwünschter Materialströme hin zur VER-sorgung mit knappen Materialströmen, und sogar ganzen Produkten. Dies wurde am 2./3. April bei der österreichischen Abfallwirtschaftstagung 2014 des ÖWAV in Schwechat deutlich.

Der "Doyen" der österreichischen Abfallwirtschaft, Prof. Paul Brunner (TU), brachte in seinem Schlusswort ein Dilemma eindrucksvoll auf den Punkt: "Der Wert von Produkten besteht in erster Linie aus der darin steckenden Intelligenz, nur zum kleinen Teil im Materialwert. Das Problem der Abfallwirtschaft: sie bewirtschaftet nur den Materialwert." Den Ausweg deutete das Publikum in seinem Voting zur Postersession an: Mit klarem Vorsprung auf Platz 1 landete das Poster über die steirische Re-Use-Box (entwickelt von der ARGE Abfallvermeidung), die als attraktive Vorsammelhilfe für kleinere re-use-fähige Gegenstände von der Stadt Graz an die Haushalte ausgegeben wird. Die Vorbereitung zur Wiederverwendung wird von den Sozialbetrieben BAN und Caritas durchgeführt.

Re-Use wurde damit vom (abfallwirtschaftlichen!) Fachpublikum eindeutig als Möglichkeit gesehen, auch die in den Abfallprodukten steckende Intelligenz zu bewirtschaften. Es wäre daher zu wünschen, dass der ÖWAV in seiner neu etablierten Arbeitsgruppe "Ressourcenschonung" im Rahmen des Arbeitsausschusses zur künftigen Strategie der Abfallwirtschaft auch das Thema Re-Use aufnimmt, oder diesem Thema eine eigene Arbeitsgruppe widmet. Denn der abfallwirtschaftliche Mainstream sieht leider noch immer die geringwertige, aber große Materialmasse als Hauptthema und schreckt vor den kniffligeren Fragen der längeren Nutzung von Produktintelligenz bislang zurück - aus strategischer Sicht wenig nachhaltig.

Downloads der Fotos und Vorträge zur Abfallwirtschaftstagung: www.oewav.at
Infos zur Re-Use Box: www.re-use.at

04. ÖWAV-Seminar
"Die Grenzen der Abfallvermeidung"

Endlich widmet sich auch der ÖWAV auf breiter Basis der Abfallvermeidung, wenn auch noch eher defensiv mit Fokus auf deren Grenzen: Am 27. Mai werden sich hochkarätige ExpertInnen aus Abfallwirtschaft, Industrie und Wissenschaft der seit 1990 gebetsmühlenartig in Festreden beschworenen und genausolange sträflich vernachlässigten höchsten Prioritätsstufe abfallwirtschaftlicher Maßnahmen widmen.

Obwohl die ersten, die dieses nie eindeutig definierte politische Schlagwort aus der Umweltbewegung der späten 70er und frühen 80er Jahre in Österreich verbreitet haben, die ARGE Müllvermeidung aus Graz, nicht auf der Rednerliste stehen, zahlt sich ein Besuch des Seminars trotzdem aus - wird doch neben der Lieblingsbeschäftigung der Abfallwirtschaft, dem stofflichen Recycling von Abfällen, in Zeiten steigenden Konsums und knapper werdenden Ressourcen die Fokussierung auf Abfallvermeidung und Wiederverwendung zunehmend bedeutender.

Daher ist auch der Abfallvermeidung gemäß EU-Abfallrahmenrichtlinie 2008 die höchste Priorität innerhalb aller abfallwirtschaftlichen Maßnahmen einzuräumen. Demgegenüber steht die vom obersten Abfallbeamten der Republik, SC DI Christian Holzer oft geäußerte Meinung, die Abfallwirtschaft sei ja eigentlich nicht der richtige Ort für Abfallvermeidung - dafür sei die Wirtschaft zuständig, und natürlich die KonsumentInnen. Aber wer, bitte, soll die dazu bringen, wenn nicht die Abfallwirtschaft? Spannende Diskussionen sind also vorprogrammiert, letztendlich geht es auch um das künftige Selbst- und Fremdbild der Abfallwirtschaft - weg von der reinen Nachsorge hin zur integrierten Vorsorge. Die Abfallwirtschaft muss sich als Feedback-Schleife für die Qualität der Ressourcennutzung unserer Gesellschaft etablieren und daraus innovative Geschäftsmodelle entwickeln - wie die Ärzte im alten China, die nur bezahlt wurden solange der Patient gesund war.

Detailprogramm (PDF, 338 kB): www.oewav.at
Anmeldung: www.oewav.at

05. EAK präsentiert:
EAG-Schulkoffer für AbfallberaterInnen

Re-Use Börse
EAK-Chefin Elisabeth Giehser erläutert AbfallberaterInnen den neuen EAG-Schulkoffer
Foto: Ziegler/BMLFUW

Am 29. April 2014 präsentierte die Geschäftsführerin der Koordinierungsstelle Elektroaltgeräte Austria (EAK), Frau Mag. Elisabeth Giehser, im Rahmen eines Workshops in Salzburg den Prototyp des Schulkoffers zu EAGs und Batterien und lud dazu ausgewählte AbfallberaterInnen aus ganz Österreich ein.

Der Konzeption und Anfertigung eines nach den Wünschen der AbfallberaterInnen fast „maßgeschneiderten“ Koffers waren viele Vorbereitungsarbeiten vorangegangen, die von der EAK in Zusammenarbeit mit einem Kernteam von AbfallberaterInnen geleistet wurden. Zum Koffer wurden im Auftrag der EAK umfassende Bildungsunterlagen und Informationsmaterial vom Umweltdachverband (Forum Umweltbildung) erstellt, an dem ebenso AbfallberaterInnen und ExpertInnen vom Klimabündnis mitgearbeitet haben. Damit sollte sichergestellt werden, dass die vielen praktischen Erfahrungen der AbfallberaterInnen aus deren Tätigkeiten in den Schulen in die Arbeitsunterlagen des Schulkoffers einfließen. Der Koffer mit Anschauungsmaterial wurde vom Demontage- und Recycling-Zentrum D.R.Z. angefertigt.

Das Feedback zum Koffer war sehr positiv, die beim Workshop von den AbfallberaterInnen noch geäußerten Anregungen wurden von der EAK aufgegriffen und können weitgehend berücksichtigt werden. Die Schul- und Arbeitsunterlagen wird es auch auf der Website von www.elektro-ade.at als Download geben. Nach einer ersten Umfrage unter den TeilnehmerInnen werden 85 Stück Schulkoffer gewünscht. Die Anlieferung der Schulkoffer soll Mitte September 2014 erfolgen. Die EAK wird den Schulkoffer bei der Jahrespressekonferenz im September 2014 vorstellen, und das BMLFUW wird ihn bei der Lehrmittelmesse Interpädagogika im November 2014 in Wien präsentieren.

06. Deutschland:
PwC-Studie bestätigt erneut Überlegenheit von Mehrweg

Clever einkaufen für Büro und Schule
Grafik: Lebensministerium
Foto: DUH

Mehrwegflaschen sind nicht nur nachhaltiger als Einweggebinde, sondern diesen auch ökonomisch und sozial deutlich überlegen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert deshalb erneut eine Pfandpflicht und eine Lenkungsabgabe auf ökologisch nachteilige Verpackungen. Sie beruft sich dabei auf eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, die PwC im Auftrag der DUH erstellt hat - übrigens mit einem eigenen Österreich-Kapitel!

Interessant ist diese Studie vor allem im Hinblick auf das in Österreich so gerne gegen das Einweg-Pfand ins Feld geführte Argument, bei uns seien die Sammel- und Recyclingquoten so hoch, deshalb brauche man keine weiteren Maßnahmen. Hier stellt die Studie fest, dass gerade bei Sammelquoten, Recyclingquoten und Recyclingqualität Pfandsysteme dualen Systemen (wie der ARA) haushoch überlegen sind. In den dualen Systemen wird nur rund die Hälfte der PET-Flaschen gesammelt. So werden im Einweg-Pfandsystem und im Mehrweg-Pfandsystem 99 Prozent der Flaschen gesammelt – also rund doppelt so viel.

Noch schlechter schneidet das Recycling der dualen Systeme im Vergleich zu den Mehrwegflaschen ab. Während in Pfandsystemen 85 bis 99 Prozent der Flaschen und Dosen recycelt werden, werden in den dualen Systemen weniger als ein Drittel der PET-Einwegflaschen und nur knapp 40 Prozent der Getränkekartons recycelt - zumindest in Deutschland. Durch höhere Sammelquoten und höhere Sortenreinheit der gesammelten Getränkeverpackungen bieten Pfandsysteme gegenüber der Sammlung in gelber Tonne oder gelbem Sack aber auch ein anspruchsvolleres Recycling. So werden beispielsweise nur PET-Flaschen aus den Pfandsystemen für sogenanntes bottle-to-bottle-Recycling eingesetzt.

Durch die sehr hohen Sammelquoten – zwischen 96 und 99 Prozent – tragen Pfandsysteme im Gegensatz zum Grüner- Punkt-System darüber hinaus sehr effektiv zur Reduzierung des Litterings von Getränkeverpackungen bei, heißt es in einer Pressemitteilung des DUH. Die DUH erhofft sich von der vorliegenden Studie, dass sie politischen Entscheidungsträgern eine fundierte Basis für die dringend notwendige Verbesserung der deutschen Getränke-Verpackungssysteme liefert, so dass sich die dramatisch sinkende Mehrwegquote wieder stabilisieren kann. Am wirksamsten wäre dafür die Einbeziehung weiterer Getränkesegmente (z.B. Fruchtsaft) in die Pfandpflicht und eine Lenkungsabgabe auf ökologisch nachteilige Verpackungen. Dafür setzt sich die Deutsche Umwelthilfe schon seit längerem ein. Bisher jedoch vergeblich.

Österreich hat bislang die Einführung von Einweg-Pfand erfolgreich abgewehrt, nicht zuletzt aufgrund der hohen subjektiven Zufriedenheit der meisten Stakeholder mit dem ARA-System. Das könnte sich in Zukunft aufgrund der zu erwartenden drastischen Umbrüche durch den künstlich übergestülpten Wettbewerb und den dann vermutlich erfolgenden Preis- und wohl auch Convenience-Verfall der Verpackungssammlung ändern. Dann könnte es nötig sein, zur Sicherung halbwegs annehmbarer Recyclingquoten im Getränkesektor doch auf Einwegpfand zu setzen. Allemal wert wäre es, darüber eine Studie auch in Österreich durchzuführen, doch alle, die so etwas zahlen könnten, haben daran kaum Interesse - aus leicht verständlichen Gründen...

Quelle: ENTSORGUNG / Recycling-Magazin
Nähere Infos zur Studie der DUH: www.duh.de


Dieser Newsletter wird gefördert vom

© 2017, VABÖ–Verband Abfallberatung Österreich. Alle Rechte vorbehalten.