VABÖ Newsletter 02-2018

09.03.2018

VABÖ unterstützt die Initiative der österreichischen Abfallwirtschaft Rund geht's!

Wenn Sie interessante Infos haben, die andere AkteurInnen in der Umwelt- und Abfall-Öffentlichkeitsarbeit, Gemeinden, Verbände etc. interessieren könnte, senden Sie diese bitte an vaboe@arge.at.

Newsletter bestellen

Wenn Sie unseren VABÖ-Newsletter künftig regelmäßig erhalten wollen, bitten wir Sie, den Newsletter zu bestellen.

Sollten Sie unseren Newsletter ungewollt erhalten haben, möchten wir uns entschuldigen - bitte senden Sie uns eine kurze Nachricht und Sie erhalten keinen VABÖ-Newsletter mehr. Newsletter abmelden

Wenn Sie uns das E-Mail nicht retournieren, gehen wir davon aus, dass Sie weiterhin unseren Newsletter erhalten möchten.

Kontakt/Impressum:

VABÖ - Verband Abfallberatung Österreich
Trappelgasse 3/1/18,
A-1040 Wien

E-mail: vaboe@arge.at
Internet: www.vaboe.at

ZVR: 522522855

01. Auftaktveranstaltung Plattform Kreislaufwirtschaft Österreich:
Österreich auf dem Weg in die Kreislaufwirtschaft: Chancen, Herausforderungen, Instrumente, AkteurInnen

Kreislaufwirtschaft in Österreich
© Stephanie Hofschlaeger,
pixelio.de

Im neuen Regierungsprogramm gibt es ein klares Bekenntnis zur Kreislaufwirtschaft, die sowohl Gegenstand der UN Nachhaltigkeitsziele als auch des Ende 2015 verabschiedeten Kreislaufwirtschaftspaketes der Europäischen Kommission ist. Im Dezember 2017 haben die EU Institutionen bereits eine vorläufige Einigung über die Revision der europäischen Abfallgesetzgebung erreicht, die ein wichtiger Teil des Kreislaufwirtschaftspaketes ist.

Die kommenden Jahre müssen nun Jahre des Handelns werden. Doch was braucht es in Österreich um einen Wandel von der linearen hin zu einer zukunftsorientierten, sozial- und ökologisch-verträglichen Kreislaufwirtschaft zu schaffen?

Zusammen mit hochkarätigen VertreterInnen von EU Kommission und Parlament, der österreichischen Politik und Verwaltung, NGOs sowie VertreterInnen aus EU Mitgliedstaaten, die nationale Strategien und Roadmaps zur Kreislaufwirtschaft entwickelt haben, diskutieren wir den Mehrwert verschiedener nationaler Ansätze, die geplanten Vorhaben der Regierung, wer die relevanten AkteurInnen für den Wandel sind und welche politischen Rahmenbedingungen es braucht.

Wann: 21. März 2018, 13:00-18:00 Uhr

Wo: Haus der Europäischen Union, Wipplingerstraße 35, 1010 Wien

Veranstaltet wird die Auftaktveranstaltung der „Plattform Kreislaufwirtschaft Austria” vom
Umweltdachverband (UWD), European Environmental Bureau (EEB),
RepaNet (Re-Use- und Reparaturnetzwerk Österreich) und
Verband Abfallberatung Österreich (VABÖ).

Auf dem Programm stehen Vorträge und Podiumsdiskussionen von und mit:

Dr. Hugo-Maria Schally, Referatsleiter, Nachhaltige Produktion, Produkte und Konsum, Generaldirektion Umwelt, Europäische Kommission

Karin Kadenbach, Mitglied des Europäischen Parlaments, Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten

Callum Blackburn, Head of Policy and Research, Zero Waste Scotland, GB

Antigone Dalamaga, Antigone Dalamaga, President RREUSE, Director Ecological Recycling Society, Griechenland

Harald Friedl, Geschäftsführer, Circle Economy, NL

Ladeja Godina Košir, Founder and Executive Director, Circular Change, Slowenien

Laura Järvinen, Specialist, Circular economy, Sitra, Finnland

Dr. Stephan Lutter, Stellvertretender Leiter der Forschungsgruppe ”Nachhaltige Ressourcennutzung”, Institute for Ecological Economics, Wirtschaftsuniversität Wien (WU)

Manfred Mühlberger, Geschäftsführer ETA Umweltmanagement GmbH, Präsident Ecopreneur

Matthias Neitsch, Geschäftsführer, RepaNet/VABÖ

Carsten Wachholz, Leiter Produktpolitik und Kreislaufwirtschaft, European Environmental Bureau (EEB)

Arthur ten Wolde, Circular Economy Expert, Ecopreneur.eu and MVO Nederland/ De Groene Zaak

Zur Anmeldung geht es hier …

Das Projekt „Plattform Kreislaufwirtschaft Österreich” wird mit Unterstützung von Bund und der
Europäischen Union durchgeführt.


02. Clever einkaufen für die Schule:
Schultaschenkauf vor Ostern

Clever einkaufen für die Schule
© BMNT/Paul Gruber

Praktisch soll eine Schultasche sein, aber auch gesund und sicher, da sie das Kind über Jahre begleitet. Schulrucksäcke, auch für die Grundschule, präsentieren sich zunehmend nachhaltig – und das in geprüfter Umweltqualität. Clever einkaufen für die Schule, die Initiative des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus, hat direkt bei den Herstellern recherchiert. (Quelle: Clever einkaufen)

Als Service liegen nun 10 Tipps für den Einkauf und Details zu den Kriterien, die zur Auswahl herangezogen wurden, vor. Ebenso eine Liste mit den empfohlenen Schultaschen- und Schulrucksäcken zum Herunterladen. Damit sind Eltern für den Besuch von Verkaufsveranstaltungen oder beim Kauf im Geschäft gut gerüstet.

Mehr Informationen …

Alle Informationen zum Thema Schultaschen- und Schulrucksackkauf und die Empfehlungslisten finden Sie hier …

Alle Einkauftipps von Clever einkaufen für die Schule finden Sie hier …

Alle Einkauftipps von Clever einkaufen fürs Büro finden Sie hier …


03. Gedanken zur Nachhaltigkeitsagenda für Getränkeverpackungen:
Viele Wege führen nach Rom

Nachhaltigkeitsagenda Getränkeverpackung
© WKO

Die Nachhaltigkeitsagenda reduziert Treibhausgasemissionen im gesamten Lebenszyklus von Getränkeverpackungen, schließt Stoffkreisläufe und kämpft gegen asoziales Littering. Eine Stellungnahme von Thomas Fischer, WKO.

Anm. der VABÖ-Redaktion: Der VABÖ hat sich in der Vergangenheit mehrfach explizit für die Förderung von Mehrweg-Getränkeverpackungen eingesetzt und dabei auch die freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft kritisiert. Die Diskussion wird in den kommenden Monaten angesichts der neuen EU-Verwertungsziele wieder verstärkt geführt werden. Um einen konstruktiven Dialog zu ermöglichen, geben wir an dieser Stelle auch der Vertretung der Wirtschaftsseite die Gelegenheit, ihre Sicht darzustellen. Wir bedanken uns bei Thomas Fischer für den folgenden Gastbeitrag und ermuntern auch andere Stakeholder, uns ihre Beiträge zukommen zu lassen.

Mit der Nachhaltigkeitsagenda für Getränkeverpackungen 2008-2017 ist Österreich einen neuen Weg gegangen, die Umweltbilanz von Getränkeverpackungen ganzheitlich zu verbessern. Zu den gut 1.000 Mitgliedern der Nachhaltigkeitsagenda gehören Hersteller von Getränkeverpackungen, die Sammel- und Verwertungssysteme, sämtliche relevanten Unternehmen des Lebensmitteleinzel- und Großhandels sowie alle maßgeblichen Brauereien, Mineralwasser- und Saftabfüller.

Die Beteiligten hatten sich dazu verpflichtet, die Treibhausgasemissionen der Getränkeverpackungen bis 2017 um mindestens 10 Prozent zu reduzieren – ausgehend von 370.000 Tonnen an CO2-Äquivalenten im Jahr 2007. Dieses zentrale Ziel konnte bei weitem übertroffen werden: Bereits bis 2016 sind über 78.000 Tonnen CO2-Äquivalente durch direkte Maßnahmen eingespart worden. Zusätzlich dazu wurden mehr als 273.000 Tonnen CO2-Äquivalente durch indirekte Maßnahmen eingespart.

Die mit Anfang des Jahres in Kraft getretene Nachhaltigkeitsagenda für Getränkeverpackungen 2018-2030 schreibt diesen erfolgreichen Kurs fort: Die Ökobilanz der Getränkeverpackungen soll weiterhin verbessert werden, und zwar in deren gesamtem Lebenszyklus – von der Herstellung bis zur (Wieder-)Verwertung, einschließlich des Produktionsprozesses und der Abfüllung der Getränke.

So setzt die Nachhaltigkeitsagenda auf einen größeren, umfassender greifenden Hebel zur Umsetzung von Klimazielen, als ihn die bloße Verpflichtung zu mehr Mehrweg mit sich bringen würde. Sich nur auf Mehrweg bzw. auf einseitige Darstellung von Mehrweg-Effekten zu fokussieren, die die Rezyklierbarkeit, Ressourceneffizienz und Stoffkreisläufe bei Einweg-Verpackungen nicht berücksichtigt, ist mehr als zu hinterfragen und nicht objektiv. Bei „Nachhaltigkeit” und damit auch der Nachhaltigkeitsagenda geht es um eine Gesamtbetrachtung auf Basis des Carbon Footprint und des Klimaschutzes und nicht um eine Partikularkampagne für einzelne Gebindeformen. Praktikable Lösungen, auch bei den bestehenden Einweg-Verpackungen den Materialaufwand deutlich zu senken und vor allem die Werkstoff-Zyklen kontinuierlich zu verbessern, werden beispielsweise mit der PET to PET-Recyclinganlage im Burgenländischen Müllendorf umgesetzt. Bereits über zwei Drittel aller PET-Flaschen in Österreich werden wiederverwertet. Der Rezyklat-Anteil neuer Flaschen liegt im Duschschnitt bereits bei 30 bis 40 Prozent, bei manchen noch viel höher und wird beständig ausgebaut.

Ein großes Lob ist den österreichischen Konsumentinnen und Konsumenten zu zollen. Sie sind es, die auf ökologisch optimierte Verpackungen achten und durch getrennte Rückgabe von Wertstoffen die Stoffkreisläufe schließen. Damit Konsumentinnen und Konsumenten diese Möglichkeit auch bei Großveranstaltungen haben, wurde im letzten Jahrzehnt bei hunderten Veranstaltungen und Großevents durch die ARA die komplette Infrastruktur für die getrennte Sammlung von Plastikflaschen und Getränkedosen vor Ort zur Verfügung gestellt und diese anschließend einer stofflichen Verwertung zugeführt. An die Bevölkerung wendet sich auch die Initiative Reinwerfen statt Wegwerfen. Das achtlose Wegwerfen von Verpackungen auf der Straße und in der Natur ist für Passanten und Wanderer ein Ärgernis und es gibt keine Entschuldigung für dieses respektlose Verhalten Einzelner. Die Wirtschaft hat sich der Aufgabe verschrieben, dagegen durch Aufklärung und Erfassungsinfrastruktur anzukämpfen.

Thomas Fischer ist in der WKO zuständiger Referent für die Nachhaltigkeitsagenda für Getränkeverpackungen.

Weitere Informationen …

Gedanken zur Nachhaltigkeitsagenda von Elmar Schwarzlmüller, „die umweltberatung” Wien

Gedanken zur Nachhaltigkeitsagenda von Christian Pladerer

Infos zur Nachhaltigkeitsagenda für Getränkeverpackungen 2018-2030

Nachhaltigkeitsagenda 2018-2030

Nachhaltigkeitsagenda 2008-2017

Zusatzvereinbarung Mehrweg 2011

Offener Brief Mehrweg VABÖ-Blatt 1/2016 Topthema Mehrweg


 04. Europäische Woche zur Abfallvermeidung:
Jetzt Anti-Littering-Projekt einreichen!

Europäische Woche Abfallvermeidung
© EWWR.EU
Logo LCUE

Mit der europäischen Initiative „Let’s Clean-Up Europe” sollen alle Anti-Littering-Aktivitäten in Europa, insbesondere lokale Flurreinigungsaktionen, unter einem Dach vereint und auf einer Online-Plattform gesammelt werden. Unter allen Eintragungen werden jährlich die besten und effizientesten prämiert. Damit wird ein deutliches Zeichen gegen das Littering und die wilde Ablagerung gesetzt. Dazu zählt jedes achtlose Wegwerfen von Abfällen in der Natur und im öffentlichen Raum, angefangen vom Zigarettenstummel bis hin zu Haushaltsgeräten oder Autoreifen. (Quelle: BMNT)

Ziel der Anti-Littering-Kampagne ist, die gesundheitlichen, ökologischen und ökonomischen Auswirkungen verstärkt ins Bewusstsein der Menschen zu bringen. Abfälle in der Natur belasten nicht nur die Umwelt, ihre Entsorgung kostet auch sehr viel Geld. Neben der Abfallvermeidung sind die richtige Trennung und Entsorgung von Abfällen Grundelemente einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Abfallwirtschaft. Das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus begrüßt die vielen in Österreich laufenden Initiativen und Aktivitäten und lädt alle ein, sich mit Ihren Projekten auf der EU-Plattform einzubringen.

Das diesjährige europäische Aktionswochenende findet vom 11. bis 13. Mai 2018 statt. Jedoch können alle Initiativen des Frühjahrs bereits zwischen Februar und Mai 2018 auf der zugehörigen Plattform registriert werden. Einzelpersonen, lokale zivilgesellschaftliche Gruppen, Vereine, Verwaltungen, Unternehmen und Bildungseinrichtungen sind zum Mitmachen eingeladen.

Im Jahr 2017 haben europaweit mehr als eine halbe Million Menschen an der Initiative teilgenommen. Damit wurde ein klares und deutliches Zeichen gegen die Vermüllung unseres Planeten sowie die Verschmutzung unserer Umwelt gesetzt.

Werden Sie Teil dieser Bewegung gemäß dem Motto „Tue Gutes und rede darüber”. Registrieren Sie Ihre Initiative unter http://www.ewwr.eu/de/take_part/lets-clean-up-europe. Die Frist zur Registrierung endet am 4. Mai 2018.

Weitere Informationen …

European Week For Waste Reduction (Englisch)

Aufruf zum Mitmachen auf der Seite des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus


05. Ernten, einkochen und schmecken lassen:
Lebensmittelrettung als Geschäftsmodell

Lebensmittelrettung als Geschäftsmodell
© Christine Tschavoll

Unverschwendet macht aus Ausgemustertem Eingekochtes. Überschüssiges Obst, Gemüse und Kräuter verarbeitet das Start-up zu allerhand Produkten, etwa Marmelade, Chutneys, Saucen und vieles mehr. Damit setzt das Gründungsduo nicht nur ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung, sondern zeigt auf eine ansprechende Weise, dass aus vermeintlichem Abfall etwas Köstliches werden kann.

Genießbar, aber trotzdem nicht gewollt – jedes Jahr landen tonnenweise Lebensmittel in österreichischen Abfalltonnen. Aber nicht nur die Haushalte werfen einiges weg, auch auf den österreichischen Bauernhöfen fallen Überschüsse an, die nicht verkauft und nicht anders verwertet werden können, weil sie entweder nicht der Norm entsprechen, weil sie nicht zum richtigen Zeitpunkt reif geworden sind oder weil die Zeit zum Ernten fehlt. Hier setzt Unverschwendet an. Die Geschwister Cornelia und Andreas Diesenreiter machen aus diesem Obst, Gemüse und Kräutern Eingekochtes, das sie in Gläser füllen und in Wien am Schwendermarkt oder übers Internet verkaufen.

An dieser Stelle bedankt sich das VABÖ-Team beim oberösterreichischen Landesabfallverband (die „Umweltprofis”) für die Idee zu diesem Artikel und den sehr schmackhaften Abfallvermeidungs-Weihnachtsgruß von Unverschwendet – eine höchst nachahmenswerte Idee für ein nettes Give-Away an PartnerInnen und KundInnen mit ökologischem Zusatz-Nutzen!

Mehr Informationen …

Webseite von Unverschwendet

Video von Unverschwendet


06. Aktueller Bundesabfallwirtschaftsplan:
Maßnahmen für die Abfallvermeidung bis 2023

Bundesabfallwirtschaftsplan
Screenshot vom Deckblatt des
Bundesabfallwirtschaftsplans Teil 1

Alle sechs Jahre wird der Bundesabfallwirtschaftsplan neu erstellt, jener von 2017 ist nach erfolgter Öffentlichkeitsbeteiligung nun abgeschlossen. Während der zweite Teil Praxisempfehlungen für die Behörden enthält, beschreibt der erste die abfallwirtschaftliche Situation und Maßnahmen zur Abfallvermeidung (Kapitel 5 „Abfallvermeidungsprogramm”). Der VABÖ empfiehlt Ihnen insbesondere die Kapitel: „Abfallvermeidung in Betrieben und anderen Organisationen” (5.5.2), „Abfallvermeidung in Haushalten” (5.5.3), „Vermeidung von Lebensmittelabfällen” (5.5.4) und „Re-Use” (5.5.5).

Wörtlich heißt es im Bundesabfallwirtschaftsplan: „Mit Hilfe eines Abfallvermeidungsprogramms soll den Abfallvermeidungsmaßnahmen in Österreich ein umweltpolitischer Rahmen und eine gemeinsame Zielrichtung gegeben werden.” Dabei soll folgendes eine Rolle spielen: längere Lebenszyklen von Produkten, gezielte Maßnahmen für einzelne Materialströme – etwa Lebensmittel, soziale und ökonomische Themen. Besonders interessant für die Umwelt- und Abfallberatung ist außerdem der vierte Punkt: „interdisziplinäre Kooperation zur Erreichung eines maximalen Synergieeffektes der Abfallvermeidung mit anderen wirtschaftlichen, sozialen und Umweltschutzzielen.” Es werden ausdrücklich alle Stakeholder überall in Österreich dazu eingeladen, Abfallvermeidungspotentiale auf lokaler, regionaler und bundesweiter Ebene zu identifizieren und zu verwirklichen.

Das Abfallvermeidungsprogramm 2017 gibt einen Überblick über die Maßnahmen aus dem letzten Bundesabfallwirtschaftsplan von 2011 und zeigt auf, welche bereits umgesetzt wurden und wie, welche angepasst werden und welche ausständig sind. Es werden zusätzlich neue Maßnahmen eingeführt. Die AutorInnen gehen zwar davon aus, dass nicht alle Maßnahmen des Programms bis zum nächsten Bundesabfallwirtschaftsplan 2023 umgesetzt sein werden, damit wir in Österreich den Zielen doch möglichst nahe kommen und unsere Spitzenreiterrolle in der EU behalten können, sind gerade die Umwelt- und AbfallberaterInnen gefordert, vor allem in den Bereichen Produktion und Konsum, die nur sehr eingeschränkt über Gesetze reguliert werden können.

Das Ziel im Handlungsfeld „Vermeidung von Lebensmittelabfällen” (Kapitel 5.5.4) ist, dass die vermeidbaren Lebensmittelabfälle in den privaten Haushalten und im Handel bis 2030 auf die Hälfte reduziert werden, was auch ein UN-Nachhaltigkeisziel (Sustainable Development Goal, „SDG”, siehe VABÖ-Blatt 3/2017) ist. Um das zu erreichen, soll unter anderem das Bewusstsein für den ökologischen Fußabdruck der Lebensmittelproduktion gestärkt werden und das Wissen verbreitet werden, dass Lebensmittel auch nach dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum noch genießbar sein können. Konkrete Umsetzungsmaßnahmen kennen wir bereits von der Initiative des Bundesministeriums „Lebensmittel sind kostbar!”

Im Handlungsfeld „Abfallvermeidung in Haushalten” (Kapitel 5.5.3) wird ausdrücklich und auch implizit die Abfallberatung angesprochen, wörtlich heißt es:

  • Verstärkte Information durch die Abfallberatung zur Etablierung eines nachhaltigen Einkaufs- und Nutzungsverhaltens
  • Abfallberatungsschulungen im Verpackungsbereich durch die Verpackungskoordinierungsstelle;
  • Forcierung des Themas Abfallvermeidung
  • Weiterentwicklung und Umsetzung verstärkter Informations- und Motivationskampagnen unter Einbeziehung des Migrantenbereichs
  • Überprüfung der Nutzung von Social-Media, auch im Hinblick auf zeitnahe Reaktionen bei Falschmeldungen
  • Forcierung von Reparaturmöglichkeiten (z.B. Reparaturnetzwerke, Repair-Cafes) einschließlich entsprechender Informationstätigkeit
  • Bewusstseinsbildung zum Thema Mehrweg-Getränkeverpackungen auf der Ebene der Konsumentinnen und Konsumenten, z.B. durch Fortführung der Initiative „Sag’s am Mehrweg” oder durch eine Mehrweg-Initiative des Handels
  • Bewusstseinsbildung zur Abfallvermeidung, insbesondere zu Einweg-Tragetaschen und Kaffeekapseln
  • Bewusstseinskampagne, dass die Zustellung unadressierter Postsendungen durch Anbringen entsprechender Hinweise am Postkasten vermieden werden kann
  • Bewusstseinsbildung betreffend die Berücksichtigung des Umweltzeichens bei Entscheidungen über Kauf bzw. Dienstleistungen
  • Informationsaustausch im Rahmen von Stakeholder-Plattformen zur Abfallvermeidung

Im Handlungsfeld „Abfallvermeidung in Betrieben und anderen Organisationen” (Kapitel 5.5.2) ist ein Abfallwirtschaftskonzept-Tool (AWK-Tool) für Schulen inkludiert, das vom BMLFUW entwickelt wurde. PädagogInnen sollen dafür geschult werden. Weiters sollen Green Events und der betriebliche Umweltschutz gefördert werden.

Im Handlungsfeld „Re-Use” (Kapitel 5.5.5) sollen Re-Use-Netzwerke, Think-Tanks und das Bewusstsein der KonsumentInnen für Wiederverwendung gefördert werden. Mehr Infos gibt es bei RepaNet.

Mit dem Abfallvermeidungsprogramm kommt das Ministerium der EU-Abfallrahmenrichtlinie nach, die alle EU-Staaten verpflichtet, ein solches Programm zu veröffentlichen. Die EU hat sich nämlich zum Ziel gesetzt, das Wirtschaftswachstum im Sinne der Kreislaufwirtschaft von der Abfallerzeugung und dem Ressourcenverbrauch abzukoppeln. Dies ist mit mehr getrennter Sammlung und vermehrtem Recycling jedoch nicht möglich, dazu bedarf es unabdingbar ressourcenschonende Produktions-, Verkaufs- und Konsummuster und entsprechend intelligente (vor allem deutlich längere) Nutzung von Produkten. Zuständig für die Evaluierung des Bundesabfallwirtschaftsplans und somit für die Überprüfung der Umsetzung der Maßnahmen ist das Umweltbundesamt.

Weitere Informationen …

Bundesabfallwirtschaftsplan zum Download

VABÖ-Blatt 3/2017 SDGs

Initiative „Lebensmittel sind kostbar!”

VABÖ-Blatt 1/2015: Lebensmittel

AWK-Tool für Schulen

Vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus geförderter betrieblicher Umweltschutz

In Österreich Abfallvermeidung durch Re-Use


07. Digitalisierung und Industrie 4.0:
Innovationen verbrauchen mehr Ressourcen, als sie einsparen

Investitionen brauchen Ressourcen
© Claus Weisweiler, pixelio.de

Dass die Digitalisierung und Technologisierung den Ressourcenverbrauch reduzieren, glaubt kaum noch jemand. Dennoch versprach sich das deutsche Bundeswirtschaftsministerium, dass mit der immer stärkeren Vernetzung auch von Alltagsgegenständen mit dem Internet genau das passieren wird. Die Wirtschaft werde nachhaltiger, wenn also zum einen der Kühlschrank Lebensmittel selber nachbestellen kann, aber auch Industrie-Roboter und Anlagen aus der Ferne gesteuert werden können, LKWs selbständig fahren und neue Solar- und Windparks installiert werden. Laut Studien wird das Gegenteil der Fall sein. (Quelle: enorm)

Mittlerweile ist mehrfach wissenschaftlich bestätigt, dass die kommenden technischen Innovationen mehr Ressourcen verbrauchen werden, und zwar nicht nur kurzfristig in der Umstellungsphase, sondern auf lange Sicht. Das sagte schon eine Studie des Massachusetts Insitute of Technology (MIT) von 2016 aus. Konkret für Deutschland hat die deutsche NGO Powershift die Pläne der Industrie auf ihren Ressourcen- und Energiebedarf hin untersucht und herausgefunden, dass beides steigen wird. Das heißt, dass damit zu rechnen ist, dass auch bisher verschonte Regionen mit hohen Rohstoffvorkommen, wie in der Tiefsee, in der Arktis und in entlegenen Regenwäldern, angezapft werden müssen, um den Bedarf zu decken.

In dieser Studie wurden dieselben Zahlen verwendet, die auch dem deutschen Bundeswirtschaftsministerium zur Verfügung standen. Sie stammen von der Deutschen Rohstoffagentur und sagen einen enormen Zuwachs im Rohstoffverbrauch im Jahr 2035 voraus. Etwa der Bedarf an Tantal, der unter anderem für Smartphones verwendet wird, soll sich vervierfachen, der von Kupfer ebenfalls, der von Lithium soll sich verzweihundertfachen. Mit Schuld daran ist die Elektromobilität: Ein Elektroauto etwa braucht eine Lithiumbatterie, und in den Bau der Karosserie fließen 60 Kilogramm mehr an Kupfer und 50 Kilogramm mehr an Aluminium als in ein vergleichbares Auto mit Verbrennungsmotor. Die Gewinnung von Aluminium verbraucht schon heute 3 % der weltweit konsumierten Energie.

Dazu kommt, dass in den Ländern, in denen die meisten Rohstoffe abgebaut werden, die Menschenrechte nicht gesichert sind. ExpertInnen der UNO schätzen, dass ein Drittel der Menschenrechtsverletzungen im Bergbau passieren. Außerdem gehen mehr als 40 Prozent aller Konflikte weltweit auf den Abbau und Handel von Rohstoffen zurück. NGOs fordern deshalb eine Pflicht für Rohstofflieferanten, die Einhaltung der Menschenrechte entlang der Wertschöpfungskette einzuhalten. In Deutschland wurde zwar im Dezember 2016 ein Aktionsplan zu Wirtschaft und Menschenrechten verabschiedet, aber die Vorgaben sind, anders als angekündigt, für deutsche Unternehmen nicht verbindlich.

In der Zwischenzeit bemühen sich internationale Arbeitsgruppen aus RegierungsvertreterInnen in der UNO darum, ein Abkommen und Maßnahmen zu finden, um internationale Konzerne und große Unternehmen dazu zu bringen, die Menschenrechte zu respektieren.

Weitere Informationen …

Artikel von enorm

Studie des Massachusetts Insitute of Technology (MIT)

Studie von Powershift

Deutscher Aktionsplan zu Wirtschaft und Menschenrechten

News aus der UNO-Arbeitsgruppe „Völkerrechtliches Abkommen”

ORF Science Stories: Wie man den Rohstoffabbau verträglicher macht


08. Zero Waste:
Wie ein japanisches Dorf abfallfrei werden will

Japanisches Dorf abfallfrei
© Screenshot aus dem Youtube-Video
"How This Town Produces No Trash"

In dem kleinen Ort Kamikatsu in Japan wird der Abfall erst seit 2003 getrennt, mittlerweile sogar in 34 Kategorien, was ihm den Titel „Zero-Waste-Stadt” eingebrach hat. Bis 2020 soll das Dorf komplett abfallfrei werden. (Quelle: enorm, Youtube-Video)

Bis 2003 wurde der gesamte Abfall von Kamikatsu unsortiert verbrannt. Die Leidtragenden waren die Natur und die Menschen. Der erste Schritt war ein Recycling-System mit 45 Sammelkategorien für die Haushalte. Diese müssen den Abfall trennen und reinigen. Trennen heißt hier nicht einfach Petflaschen in den gelben Container. Das heißt Flasche, Verschluss und Etikett in jeweils ein eigenes Sackerl (siehe Video). Dann bringen die BewohnerInnen die getrennten Abfälle in die lokale Sammelstelle, wo kontrolliert wird, ob alles ordentlich getrennt wurde.

Anfangs war die Eingewöhnung an das strenge System schwierig, mittlerweile ist es Alltag geworden. Die Recyclingquote liegt heute bei 80 %. (Laut Wikipedia sogar bei 90 %) Zum Vergleich: In Österreich liegt die Recyclingquote bei ca. 55 %. (Siehe VABÖ-Newsletter vom Dezember 2017)

Abgesehen vom Recycling ermuntern die Einrichtungen der Zero Waste Academy die BewohnerInnen zum Tauschen und Teilen.

Im örtlichen Re-Use-Shop landen jährlich 13 Tonnen Sammelmenge, von denen 11 Tonnen für Re-Use weitergegeben werden. Bei 1.700 EinwohnerInnen ist das eine Re-Use-Menge von fast 6,5 kg pro Person, was im internationalen Vergleich ein sehr hoher Wert ist, auch im Vergleich mit Österreich.

Auch das Gemeinschaftszentrum ist im Sinne des Wiederverwendens und Wiederverwertens entstanden: Das Gebäude wurde zur Gänze aus Materialien von abgerissenen Häusern errichtet, für die keine andere Verwendung gefunden wurde. Auch die Möbel sind Re-Use oder aus Recyclingstoffen gebaut.

Heute ist der Recycling- und Re-Use-Gedanke für alle normal und die Gemeinschaft spart nicht nur Geld, sondern verdient auch noch dabei.

Weitere Informationen …

Artikel auf enorm

Video-Reportage zu Kamikatsu (2015)

Wikipedia-Artikel Kamikatsu

VABÖ-Newsletter vom Dezember 2017: Offizielle Recyclingquoten entsprechen häufig nicht der Realität


09. Abfallwirtschaftlicher Entwicklungsschub in Algerien:
Umsetzung von mehr als 1.200 kommunalen Abfallwirtschaftsplänen

Abfallwirtschaftspläne Afrika
© Thomas, pixelio.de

Im flächenmäß größten Staat Afrikas wurden im vergangenen Jahr 1.257 kommunale Abfallwirtschaftspläne implementiert. Diese Maß nahmen decken rund 82 % der algerischen Gemeinden ab. In großangelegten Abfallsammelaktionen wurden 760.000 Tonnen Abfall gesammelt. (Quelle: APS)

Der Minister für Inneres, lokale Behörden und Planung von Algerien, Noureddine Bedoui, gibt an, dass seine Dienststelle in allen Gemeinden des Landes positive Ergebnisse für den Umweltschutz erzielt. Von 141 staatlich finanzierten M¨lldeponien seien 87 bereits fertiggestellt, 30 werden derzeit gebaut und 24 weitere sind geplant. Hinzu kommen 161 kontrollierte Sammelzentren, von denen 85 fertiggestellt sind und 43 noch in Arbeit.

Laut Bedoui wurden 85 von 151 unkontrollierten Deponien, 29 Sortierzentren und 26 Bearbeitungszentren saniert. Dazu habe das Innenministerium 47 öffentliche Abfallwirtschaftsunternehmen eingerichtet, um die Behandlungsanlagen zu bewirtschaften.

Der Minister berichtet auß,erdem, dass 12.000 großangelegte Abfallsammelaktionen im gesamten Staatsgebiet von städtischen Diensten und anderen lokalen Akteuren durchgeführt wurden, bei denen rund 50.000 Arbeitskräfte und 11.000 LKWs im Einsatz waren. Dabei wurden 760.000 Tonnen Abfall gesammelt und 5.000 Altlasten beseitigt.

Weitere Maßnahmen sind die Gründung einer nationalen Kommission und (freiwillige) Reinigungskampagnen unter Beteiligung der Zivilgesellschaft. Das Ministerium möchte außerdem die Recyclingindustrie und kleine, spezialisierte Unternehmen in der Abfallwirtschaft fördern.

Algerien ist nach der Fläche der zehntgrößte Staat der Welt und der größte Afrikas. Mit 41 Millionen Menschen ist es das achtbevölkerungsreichste Land des Kontinents.

Weitere Informationen …

Artikel vom algerischen Presseservice APS (Französisch)

Algerien auf Wikipedia

 

Dieser Newsletter wird gefördert vom:
Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus

© 2018, VABÖ–Verband Abfallberatung Österreich. Alle Rechte vorbehalten.