VABÖ Newsletter Januar 2015

28.01.2015

Wenn Sie interessante Infos haben, die andere AkteurInnen in der Umwelt- und Abfall-Öffentlichkeitsarbeit, Gemeinden, Verbände etc. interessieren könnte, senden Sie diese bitte an vaboe@arge.at.

Newsletter bestellen

Wenn Sie unseren VABÖ-Newsletter künftig regelmäßig erhalten wollen, bitten wir Sie, den Newsletter zu bestellen.

Sollten Sie unseren Newsletter ungewollt erhalten haben, möchten wir uns entschuldigen - bitte senden Sie uns eine kurze Nachricht und Sie erhalten keinen VABÖ-Newsletter mehr. Newsletter abmelden

Wenn Sie uns das E-Mail nicht retournieren, gehen wir davon aus, dass Sie weiterhin unseren Newsletter erhalten möchten.

Kontakt/Impressum:

VABÖ - Verband Abfallberatung Österreich
Trappelgasse 3/1/18,
A-1040 Wien

E-mail: vaboe@arge.at
Internet: www.vaboe.at

ZVR: 522522855

01. VABÖ trauert um Ehrenmitglied:
Dagmar Grage, Erfinderin der kommunalen Abfallberatung, verstorben

Juncker
Dagmar Grage

Wir kommunale Umwelt- und AbfallberaterInnen haben die "Mutter" unseres Berufes verloren: DI Dagmar Grage, Vordenkerin und Mitbegründerin der ARGE Müllvermeidung in Graz, Erfinderin der kommunalen Umwelt- und Abfallberatung, Ehrenmitglied des VABÖ, ist während der Weihnachtsfeiertage im Alter von 79 Jahren unerwartet verstorben.

Die emeritierte Universitätsprofessorin für Stadt- und Landschaftsplanung sowie Architektur, zeitweise Stadträtin für die Grünen in Graz, war eine Kämpferin der ersten Stunde gegen Atomkraft und für den Umweltschutz. Dagmar gehörte zu den Allerersten, die schon Ende der 70er Jahre den Begriff der "Müllvermeidung" einführten, prägten und mit Inhalt füllten. Damals noch als "Spinnerei" belächelt, verbreitete sich diese Idee wie ein Lauffeuer durch die Umweltbewegung in ganz Europa und ist bereits 10 Jahre später erstmals Bestandteil der österreichischen Abfallgesetzgebung - zuerst der steirischen, inzwischen sogar weltweit.

Kritik am zügellosen Konsum und den damit verbundenen Auswirkungen auf Mensch und Natur stellte Dagmar immer in den Vordergrund und ihre eigene Sache zurück. Die Gründung der ARGE Müllvermeidung zu Beginn der 80er Jahre und die Ausbildung von kommunalen AbfallberaterInnen waren visionäre Meilensteine ihres Schaffens. Für sozial benachteiligte Menschen hatte sie immer ein offenes Herz und Haus. Nachhaltigkeit war bei Dagmar kein Lippenbekenntnis, sondern Teil ihres täglichen Lebens. Sie war und ist damit Vorbild für viele Umweltengagierte, und wir Mitglieder des VABÖ werden in unserer Arbeit für Abfallvermeidung, nachhaltige Lebensweisen und die Schonung und Erhaltung unserer Lebensgrundlagen ihre Vision weitertragen!


02. VIKTUALIA Award 2015:
Idee gegen Lebensmittelverschwendung? Reichen Sie ein!

Viktualia AWARD
Viktualia AWARD Banner

Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft hat den VIKTUALIA Award 2015 ausgeschrieben. Dieser Preis gegen die Lebensmittel-
verschwendung wird heuer zum dritten Mal vergeben. Es gibt viele gute Projekte und Ideen, wie Lebensmittelabfälle vermieden werden können. Die besten davon sollen vor den Vorhang geholt werden.

„Mit diesem Preis möchten wir verdeutlichen, dass jede noch so kleine Maßnahme von großer Bedeutung ist. Um die Berge an Lebensmittelabfällen zu verkleinern, müssen wir alle einen Beitrag leisten“, betonte Bundesminister Andrä Rupprechter anlässlich des Startschusses zum Wettbewerb.

Ab sofort können Projekte und Ideen eingereicht werden. Einreichungen für den Wettbewerb sind bis zum 8. März 2015 möglich. Die Bewerbungen können online, per email oder schriftlich eingebracht werden. Die Preisverleihung ist im Mai 2015 in Wien.

Mitmachen können Unternehmen aus den Bereichen Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und –handel, Gastronomie, Abfallwirtschaft, Gemeinden, Schulen, soziale Organisationen und auch Einzelpersonen. Es gibt sechs Kategorien: Wirtschaft, Landwirtschaft und Regionale Projekte, Gastronomie und Großküchen, Schul- und Jugendprojekte, Soziale Initiativen und Projekte sowie Privates Engagement.

Alle Informationen zum Wettbewerb und zur Initiative sind unter www.bmlfuw.gv.at abrufbar.


03. Neuestes VwGH-Urteil:
Abfalleigenschaft Textilsammlung

Verwaltungsgerichtshof Altkleidersammlung

Immer wieder entstehen Unklarheiten, ob die Sammlung von Alttextilien in öffentlich zugänglichen Containern eine Abfallsammlung darstellt, oder ob es sich um "Nicht-Abfall" handelt. Nach Entscheidungen von Behörden und Gerichten einiger Bundesländer hat jetzt auch der Verwaltungsgerichtshof klargestellt: Textilsammlung in Containern ist Abfallsammlung. Daraus ergeben sich vielerlei Konsequenzen für kommunale Gebietskörperschaften und Sammelorganisationen. Lesenswert sind vor allem die Begründungen, weil sich daraus auch Schlüsse auf andere Re-Use-Sammelaktivitäten ziehen lassen.

In seinem Erkenntnis vom 25. 9. 2014 (Geschäftszahl Ro 2014/07/0032) wies der VwGH die Argumentation von Humana ab, wonach die Spendenabsicht des Abgebers von gebrauchter Kleidung in Sammelcontainern überwiege und daher kein Abfall vorliege. Der VwGH stellte eine allfällige Spendenabsicht zwar nicht in Abrede, argumentierte aber, dass diese die jedenfalls überwiegende Entledigungsabsicht (subjektive Abfalleigenschaft) nicht aushebeln könne, weil Spendenabsicht nicht automatisch als gegeben oder überwiegend angesehen werden kann und weil der Abgeber keinerlei Einfluss und Kontrolle auf das weitere Schicksal seiner abgegebenen Sachen habe, und mangels persönlicher Kontrolle bei der Übernahme auch der Sammler den Einwurf unbrauchbarer und daher als Abfall zu klassifizierender Sachen nicht ausschließen könne. Spende von Nicht-Abfall zu bestimmten (z.B. sozialen) Zwecken kann nur bei persönlicher Abgabe und Übernahme unter Aufsicht sichergestellt werden, z.B. bei Abgabe in einem Secondhand-Shop.

Bemängelt hat der VwGH auch das nicht eindeutige Wording "wiederverwertet", weil nicht klar ist, ob damit im Sinne des AWG die Wiederverwendung, die Vorbereitung zur Wiederverwendung, ein Recycling oder eine sonstige Verwertung gemeint ist. Das bedeutet, dass künftig alle Akteure im Re-Use-Bereich sehr sensibel auf die verwendeten Begriffe achten müssen, die den gesetzlich definierten Begriffen möglichst klar entsprechen sollten. Ferner verweist der VwGH auch auf Judikatur des EuGH sowie aus Deutschland und zeigt damit klar auch die Orientierung im Kontext des europäischen Abfallrechts.

Somit ist nun endgültig klar, dass Altkleidersammlung in Containern eine Sammlung von Abfällen bzw. Altstoffen aus privaten Haushalten ist. Das bedeutet in den meisten Bundesländern, dass dass die kommunale Gebietskörperschaft darüber die Hoheit hat, egal ob die Container auf privatem oder öffentlichem Grund stehen. In diesem Fall braucht jeder Sammler daher eine Vereinbarung mit der zuständigen kommunalen Gebietskörperschaft, darüber hinaus in jedem Fall eine Sammler- und Behandlererlaubnis nach AWG und eine Vereinbarung mit dem (privaten oder öffentlichen) Grundeigentümer des Containerstellplatzes.

Das VwGH-Erkenntnis finden Sie hier...


04. Innovative Abfallberatung:
#1000schritte

1000 Schritte
1000 Schritte

Abfallberater Johannes Kadla vom GVU Melk zeigt, wie man mit Facebook Bewusstseinsarbeit bei sonst schwer erreichbaren Zielgruppen machen kann: Bei „Digitalen Individualisten“ und „Hedonisten“ sind Trennmoral und Umweltbewusstsein besonders niedrig. Sie trotzdem zu aktivieren, gelang mit einem Trick - sie stellen sich nämlich sehr gerne selbst dar, am liebsten auf Facebook.

Die kreative Idee für das Projekt lieferten die vielen Abfälle am Straßenrand während eines etwa einen Kilometer (= 1.000 Schritte) langen Spaziergangs mit dem Kinderwagen. Die Idee war geboren, die Facebook-Community aufzurufen, entlang einer Route von 1.000 Schritten alle Abfälle aufzusammeln und ihren Erfolg auf Facebook zu posten. Der Hashtag #1000schritte sollte alle Teilnehmer der Aktion rückverfolgbar machen. Es folgte der Aufruf an die Community, an der Aktion teilzunehmen und Fotos ihrer Sammelgüter, eine Strich-Liste der Abfälle oder Fotos von sich selbst beim Sammeln mit dem Hashtag #1000schritte auf ihrer eigenen Wall oder auf Aktionsseiten zu posten.

So wurde die Zielgruppe zu einer spontan durchführbaren Sammlung im unmittelbaren persönlichen Umfeld motiviert, die gleichzeitig die Möglichkeit zur Selbstdarstellung bietet. Soziale Netzwerke bieten dafür die optimalen Rahmenbedingungen, ausserdem wird durch eigenes, auch emotional besetztes Handeln eine deutlich intensivere Bewusstseins- und Verhaltensveränderung erreicht, als durch ständige (teure) Print- und Online-Texte mit Ermahnungs-Charakter - eine genial einfache Umsetzung komplexer verhaltenspsychologischer Erkenntnisse.

Beachtliche Ergebnisse schon nach kurzer Laufzeit: Auf der Facebook-Seite der NÖ-Abfallberater http://www.facebook.com/muelltoni war der Statusbeitrag der bisher meist beachtete Post. Mit 4.000 Views, knapp 1.000 Klicks und 170 Likes zeigt sich eine durchaus herzeigbare Aktivierung, und das bei vernachlässigbarem Zeit- und Kostenaufwand seitens des GVU Melk. Johannes Kadla heimste dafür übrigens den ersten Platz für "Anti-Littering-Erfolgsprojekte" beim Sonderpreis von „Reinwerfen statt Wegwerfen“, einer Initiative der österreichischen Wirtschaft und der ARA für ein sauberes Österreich ein. Die Projektzusammenfassung finden Sie hier; eine detaillierte Projektbeschreibung (nur für AbfallberaterInnen zugänglich) finden Sie hier...

Die kommunalen Umwelt- und AbfallberaterInnen Österreichs leisten seit fast 30 Jahren anerkannt hervorragende Arbeit bei der "Erziehung" der Bevölkerung zu nachhaltiger Wirtschaftsweise im privaten Alltag - mit dem Ergebnis, dass Österreich in der Abfallwirtschafts-Performance zur Weltspitze gehört. Der VABÖ stellt regelmäßig vorbildliche Projekte vor, um zur Nachahmung anzuregen und die Vielfalt und Professionalität der kommunalen Umwelt- und Abfallberatung sichtbar zu machen.


05. Mit dem VABÖ-Blatt up-to-date:
Top-Themen der Abfall-Öffentlichkeitsarbeit im Förderabo!

Seit 2014 erscheint das VABÖ-Blatt, das Printmedium des Verbandes Abfallberatung Österreich, jeweils vierteljährlich zu einem wichtigen top-aktuellen Schwerpunktthema für die abfallwirtschaftliche Öffentlichkeitsarbeit - bislang nur für kommunale Umwelt- und AbfallberaterInnen des VABÖ. Nun können auch andere interessierte PraktikerInnen in Gemeinden, Abfallverbänden, Landesregierungen, Entsorgungsunternehmen und anderen Organisationen die wertvollen Anregungen für die Planung der eigenen Arbeit nutzen: Für Nicht-Mitglieder des VABÖ gibt es jetzt das Förder-Abo! Hier die bisherigen Schwerpunktausgaben (Re-Use, Littering und Bioabfall) zur Ansicht:

VABÖ Thema Re-Use VABÖ-Blatt 1/2014
VABÖ Thema Re-Use VABÖ-Blatt 2/2014
VABÖ Thema Littering VABÖ-Blatt 3/2014
VABÖ Thema Bioabfall VABÖ-Blatt 4/2014

Für 2015 sind folgende Schwerpunkte geplant: Lebensmittelabfälle, Repair-Cafés, Cradle to Cradle, Verpackungsabfallberatung neu. An VABÖ-Mitglieder wird das VABÖ-Blatt gratis versendet. Gratis-Download für alle wird künftig erst nach einem Jahr möglich sein. Daher gibt es jetzt für Nicht-Mitglieder das Förder-Abo! Wer also am Puls der Zeit über die aktuellen Top-Themen der kommunalen Abfallberatung informiert sein möchte, sollte den VABÖ mit einem Förderbeitrag von mind. € 20,- für 4 Ausgaben unterstützen, dann wird das VABÖ-Blatt vierteljährlich (8 Seiten) druckfrisch zugesendet. Einfach E-Mail mit allen Kontaktdaten und Hinweis "Förderabo VABÖ-Blatt" an vaboe@arge.at senden!


Dieser Newsletter wird gefördert vom:
Ministerium für ein lebenswertes Österreich

© 2017, VABÖ–Verband Abfallberatung Österreich. Alle Rechte vorbehalten.