VABÖ Newsletter November 2017

22.11.2017

VABÖ unterstützt die Initiative der österreichischen Abfallwirtschaft Rund geht's!

Wenn Sie interessante Infos haben, die andere AkteurInnen in der Umwelt- und Abfall-Öffentlichkeitsarbeit, Gemeinden, Verbände etc. interessieren könnte, senden Sie diese bitte an vaboe@arge.at.

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VABÖ - Verband Abfallberatung Österreich
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A-1040 Wien

E-mail: vaboe@arge.at
Internet: www.vaboe.at

ZVR: 522522855

01. SDG Watch Austria:
Zivilgesellschaftliche Organisationen für nachhaltige Entwicklung

Organisationen für nachhaltige Entwicklung
© Nina Oberleitner

Der VABÖ tut es, der WWF ebenfalls, auch die Caritas, SOS Kinderdorf, der Umweltdachverband und 100 weitere zivilgesellschaftliche Organisationen sind dabei und bilden gemeinsam SDG Watch Austria. Damit drücken sie ihr Engagement für die Agenda 2030 der UNO aus, nachhaltige Entwicklung in 17 Bereichen (den Nachhaltigkeitszielen, Sustainable Development Goals) zu fördern.

2015 hat Österreich die Agenda 2030 unterzeichnet. Aber seit diesem offiziellen Bekenntnis hat die öffentliche Hand zu wenig getan, sagen die Organisationen, die sich genau zwei Jahre später am 27. September 2017 zu SDG Watch Austria zusammengeschlossen haben, um ihre Kräfte zu bündeln. Anfangs waren es gut 80 , im Oktober waren es schon über 100 Organisationen aus ganz Österreich. Der VABÖ war von Anfang an mit dabei, warum wir uns für die SDGs einsetzen, finden Sie im VABÖ-Blatt 3/2017.

Mit Hilfe von SDG Watch Austria kann der VABÖ seine Kräfte gezielter und vereint mit anderen für folgendes einsetzen:

Gemeinsames Anliegen die Agenda 2030 und die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung umzusetzen.

Gemeinsames Vorantreiben einer ernsthaften und ambitionierten Umsetzung der Agenda 2030 durch Österreich durch untereinander abgestimmte Anwaltschaft, Informations- und Vernetzungsarbeit.

Gemeinsames Auftreten und Kommunikation: SDG Watch Austria ist das Sprachrohr der Zivilgesellschaft bei der Umsetzung der Agenda 2030 gegenüber der Politik und in Partizipationsprozessen. SDG Watch Austria schafft Aufmerksamkeit mit Hilfe von abgestimmten Aktionen und Außenkommunikation.

Gemeinsames Wissen: SDG Watch Austria bündelt und verbreitet Informationen und Wissen über die Umsetzung der Agenda 2030.

Gemeinsam mit Europa und der Welt: SDG Watch Austria vernetzt die Mitglieder untereinander und sich mit der europäischen Partnerorganisation und internationalen Netzwerken.

Organisationen, die sich für die Verwirklichung der Agenda 2030 und der UN-Ziele für Nachhaltige Entwicklung einsetzen, sind herzlich eingeladen, der Plattform beizutreten. Hier finden Sie den Kontakt von SDG Watch Austria.

Weitere Infos…

Seite von SDG Watch Austria
Um die SDGs geht’s auch im neuesten VABÖ-Blatt.
Presseaussendung vom Ökobüro


02. Gedanken zur Nachhaltigkeitsagenda:
Im besten Fall alles beim Alten bei Mehrweg

Elmar Schwarzlmüller Mehrweg
Elmar Schwarzlmüller
© Monika Kupka "die umweltberatung"

Im Wesentlichen ist die neue Nachhaltigkeitsagenda eine Fortschreibung der alten von 2008 und der bisherigen Zusatzvereinbarung Mehrweg von 2011 ergänzt um das Thema Lebensmittelabfälle. Sowohl bei Mehrweg als auch bei der stofflichen Verwertung setzt man sich bis 2030 im besten Fall das Ziel, den Status quo beizubehalten. Übertriebene Ambition ist jedenfalls nicht zu erkennen. Eine Stellungnahme von Elmar Schwarzlmüller, „die umweltberatung“ Wien.

Seit 17 Jahren setzt man in Österreich beim Thema Abfallvermeidung durch Mehrweggetränkeverpackungen auf Freiwilligkeit. Die Mehrwegquoten sind seither von rund 60 % auf rund 20 % gesunken. Auf diesem Niveau haben sie sich in den letzten Jahren eingependelt, was von den Akteuren der Nachhaltigkeitsagenda als Erfolg gewertet wird, denn diesen Trend der letzten Jahre will man nun mit der „neuen“ Nachhaltigkeitsagenda bis 2030 fortsetzen. Neue Maßnahmen zur Förderung von Mehrweggebinden findet man darin leider gar nicht.

2011 hatte man sich zur Prüfung einiger neuer Mehrweg-Maßnahmen verpflichtet (z.B. Gewichtsreduktion der MW-Glasflasche). Selbst bei diesen Maßnahmen nimmt man sich nun nur wieder vor, dass sie bis 2030 geprüft werden könnten.

Auch sonst sind die Ziele zu Getränkeverpackungen in der neuen Nachhaltigkeitsagenda wenig ambitioniert:

Zur stofflichen Verwertung von PET ist festgehalten, dass bis 2030 eine Quote von 55 % stofflicher Verwertung erreicht werden soll – ein Wert, der in Österreich schon seit 2006 durchgängig erreicht wird. Auch beim Einsatz von PET-Recyclat, sowie bei der Recyclingquote von Metalldosen werden Ziele gesetzt, die man nach eigenen Angaben schon seit Jahren erreicht hat.

Bei Groß-Events verpflichtet man sich in der Nachhaltigkeitsagenda dazu, die Verwendung nachhaltiger Getränkeverpackungen zu unterstützen. Das klingt gut. Wäre da nur nicht die Erklärung, was die Nachhaltigkeitsagenda unter „nachhaltigen Getränkeverpackungen“ versteht: nämlich nicht nur Mehrwegsysteme, sondern auch „Verpackungen aus Recyclaten und recyclierbaren Verpackungen“ – also alles von der Einweg-Plastikflasche bis zur Einweg-Aludose oder was sonst noch alles „recyclierbar“ ist.

Bei den CO2-Emissionen wird eine Reduktion um 10 % bis 2030 angestrebt. Auch das ist machbar, aber immerhin nimmt man sich hier dezidiert eine Verbesserung vor, im Vergleich zu den anderen Zielen ist das leider eine Ausnahme.

Abschließend noch ein Gedanke zu dem Ziel, die Materialeffizienz von Getränkeverpackungen zu optimieren: Seit Jahren wird von Gewichtseinsparungen bei Einwegverpackungen berichtet. Dennoch verbrauchen wird heute bei Einweggebinden in Summe deutlich mehr Verpackungsmaterial pro Liter Getränk als noch vor zehn Jahren. Gründe dafür dürften der Trend zum ökologisch sehr schlechten Einweg-Glas sowie der Trend zu kleineren Gebindegrößen sein. Diese Trends wirken sich jedenfalls negativ auf die ökologische Performance der Einweggebinde aus.

Insgesamt zeigt die Erfahrung der letzten Jahrzehnte, dass freiwillige Vereinbarungen für eine echte Forcierung des umweltfreundlichen Mehrwegsystems wohl nicht ausreichen, sondern dass es dazu verbindliche Regelungen braucht. Trotzdem können natürlich auch freiwillige Maßnahmen positive Impulse bringen. Dabei sollte man sich allerdings höhere Ziele setzen, als jene die man ohnehin seit Jahren erreicht. Gerade im Bestreben um eine „Circular Economy“ wäre eine echte Forcierung von Mehrwegsystemen und etwas mehr Mut und Ambition in dieser Sache dringend nötig.

Elmar Schwarzlmüller ist Fachberater Ressourcenschonung und Abfallvermeidung bei „die umweltberatung“ Wien.

Mehr Informationen …

VABÖ-Newsletter vom Oktober 2017: Gedanken zur Nachhaltigkeitsagenda von Christian Pladerer
Infos zur Nachhaltigkeitsagenda für Getränkeverpackungen 2018-2030
Nachhaltigkeitsagenda 2018-2030
Nachhaltigkeitsagenda 2008-2017
Zusatzvereinbarung Mehrweg 2011
Offener Brief Mehrweg


03. Trotz vorhandenem Angebot von Getränkeproduzenten:
Handel setzt auf Einweg statt Mehrweg

Mehrweg
© Greenpeace/Mitja Kobal

Der Greenpeace-Marktcheck hat das Angebot von Mehrweg-Getränkeflaschen in den österreichischen Supermärkten bewertet. Plastikflaschen, Dosen und Glaseinwegflaschen verdrängen immer mehr die umweltfreundlichere Mehrwegflasche. Dabei bieten die meisten österreichischen Getränkeproduzenten ein Mehrwegsortiment an, das aber hauptsächlich von der Gastronomie und dem Getränkefachhandel genutzt wird. Im Vergleich schnitt Unimarkt vor Interspar am besten ab. (Quelle: Greenpeace, Abfallwirtschaft Steiermark)

Bei Fruchtsäften und Limonaden ist das Angebot an Mehrweg in den Supermarktregalen gering, obwohl große Produzenten wie Pago und Pfanner Austria eine ökologische Alternative anbieten. Eine Ausnahme ist hier Unimarkt: Die Handelskette bietet bei Säften und Limonade eine Mehrweglösung an.

Dass Mehrwegsysteme auch bei Wein möglich sind, zeigt das Projekt ALLWEG-Steiermarkflasche. Dank Spar werden diese Flaschen großflächig zurückgenommen, gereinigt und von den steirischen Winzern wieder befüllt. So werden in der Steiermark jährlich etwa 1,75 Millionen Weinflaschen wiederverwendet, das sind 35 % aller dort verkauften Weinflaschen. Laut den Angaben der Abfallwirtschaft Steiermark werden bei der Reinigung pro Flasch 0,09 kWh an Energie verbraucht. Bei der Neuproduktion wären es ca. 1,1 kWh.

Die Steiermarkflasche ist noch ein wahres Pionierprojekt. Flächendeckend findet sich derzeit in den österreichischen Supermärkten nur bei den Halbliterflaschen Bier ein gutes Mehrwegangebot, außer bei den Diskontern. Hingegen ist die laut Greenpeace immer beliebter werdende 0,33-Liter-Flasche im Osten Österreichs fast immer eine Einwegflasche. Greenpeace fordert von den Supermärkten, das Mehrwegangebot zu erhöhen und das vorhandene Angebot attraktiver zu platzieren und zu bewerben.

Weitere Informationen …

Greenpeace-Marktcheck: Kaum Mehrweg-Getränke im Supermarkt
Projekt ALLWEG-Steiermarkflasche
Für ausführliche Informationen zum Thema Mehrweg empfehlen wir das VABÖ-Blatt Nr. 1/2016.
VABÖ-Newsletter Oktober 2017: Mehrweg für Wurst und Käse
VABÖ-Newsletter September 2017: Studie zu Pfandsystemen
VABÖ-Newsletter August 2017: Offener Brief Mehrweg


04. Wettbewerb für Green Events:
Nachhaltig gewinnen!

Nachhaltig gewinnen!
© pulswerk GmbH

Bis zum 8. April 2018 können nachhaltige Feste, Kulturevents, Sportveranstaltungen und Sportvereine beim Wettbewerb „Nachhaltig gewinnen!“ eingereicht werden. Die Voraussetzungen sind, dass die Veranstaltungen öffentlich zugänglich sind bzw. dass der Sportverein im laufenden Betrieb Prinzipien der Nachhaltigkeit umsetzt.

Beurteilt werden bei den Veranstaltungen: Vermeidung und Trennung von Abfällen, klimafreundliche An- und Abreise, Verpflegung mit regionalen, saisonalen, biologischen oder fair gehandelten Speisen und Getränken, schonender Umgang mit Energie und Wasser, soziale Verantwortung, Kommunikation der Green-Event-Maßnahmen. Sportvereine können für einen Sonderpreis einreichen. Dafür führen sie eine Nachhaltigkeitsselbstbewertung durch, erstellen einen Aktionsplan für die nächsten zwei Jahre und reichen außerdem ein Green Event beim Wettbewerb ein.

Auch eine Wiedereinreichung ist möglich. In diesem Fall wird die Verbesserung zum Vorjahr bewertet. Das Preisgeld beträgt insgesamt 20.000 Euro.

Der Wettbewerb wurde vom Bund-Bundesländer-Netzwerk „Green Events Austria“ geschaffen und wird von der pulswerk GmbH durchgeführt.

Mehr Informationen und Anmeldung zum Wettbewerb „Nachhaltig gewinnen“

Mehr zu den Green Events Austria


05. Sozialer Nutzen von Urban Mining:
Konfliktmineralien finanzieren Kriege

Urban Mining
© Tim Reckmann, pixelio.de

Der Abbau von neuen metallischen Rohstoffen, z.B. von Kobalt für die Akkus von Elektroautos, führt vor allem in Afrika zu sozialen Krisen und fördert kriegerische Auseinandersetzungen. Neue Verordnungen in den USA und in der EU sollen nun mehr Transparenz in die Lieferketten bringen. Aus Sicht von Brigitte Kranner wird die Kreislaufwirtschaft nicht nur für die Rohstoffsicherheit immer wichtiger, sondern spielt auch eine ethische Rolle. (Quelle: Urban Mining Blog)

Mit der Digitalisierung ist der Rohstoffbedarf der Industrienationen in den letzten Jahrzehnten massiv angestiegen und auch Schwellen- und Entwicklungsländer ziehen derzeit nach. Der Abbau dieser Rohstoffe ist vor allem in Afrika ein lukratives Geschäft für Diktatoren und Warlords und führt zur Ausbeutung und zum Elend der lokalen Bevölkerung.

Wie eine Lieferkette etwa für eine Computermaus aussieht, zeigt das Projekt Nager IT. Unter anderem arbeiten in den Minen, aus denen die Rohstoffe für unsere Elektronikprodukte gewonnen werden, Kinder unter widrigsten Umständen.

Um die Förderung von militärischen Konflikten durch die Ausbeutung der afrikanischen, vor allem kongolesischen Bodenschätze zu verhindern, wurde 2010 in den USA der Dodd-Frank Act erlassen, der in Kapitel 15 besagt, dass Unternehmen, die mit Konfliktineralien arbeiten, dokumentieren und veröffentlichen müssen, dass mit dem Kauf der Rohstoffe keine militärischen Konflikte in der Demokraitschen Republik Kongo oder den Nachbarländern gefördert werden. 2017 hat die EU eine ähnliche Verordnung erlassen, die ab 2021 praktisch umgesetzt wird. Allerdings nennt die EU nur vier Metalle und das umfasst bei weitem nicht alle relevanten Mineralien. Denn je komplexer die Elektronikprodukte werden, um so mehr verschiedene Rohstoffe aus der ganzen Welt werden darin verbaut. Gleichzeitig gibt es etwa 40 Zertifizierungsmöglichkeiten für Rohstoffe, was laut Kranner zu unübersichtlich ist.

Brigitte Kranner meint in ihrem Blogbeitrag, Urban Mining, also die Wiedergewinnung und das Recycling schon vorhandener und verbauter Rohstoffe, macht ökonomisch unabhängiger und hilft, militärische Konflikte und damit menschliches Leid zu verhindern.

Weitere Informationen …

Zum Blogartikel von Brigitte Kranner im Urban Mining Blog: Transparenz bedeutet weniger Leid
Erklärung zur EU-Verordnung zu Konfliktmetallen (Englisch)
Die faire Computermaus von Nager IT
US-amerikanischer Dodd-Frank Act auf Wikipedia
Infos zum Konfliktmineral Kobalt


06. Glasrecycling für Kinder:
Bobby Bottle und die Umweltdetektive

Glasrecycling mit Bobby Bottle
© Austria Glas Recycling

65.000 Umweltdetektive und –detektivinnen hat die Austria Glas Recycling seit dem Jahr 2000 ausgebildet. Der Flaschengeist Bobby Bottle erklärt Volksschülerinnen und Volksschülern, wie das Glasrecycling funktioniert.

Warum Glas gesammelt wird, was damit passiert, warum nicht jede Art von Glas in den Sammelcontainer darf, aber auch der Unterschied zwischen Primär- und Sekundärrohstoffen, alles das sind Themen des Bildungskonzepts Bobby Bottle. Auf diese Weise sollen die Jüngsten für Umwelt- und Ressourcenschutz sensibilisiert werden.

Zur Veranschaulichung nimmt der als Bobby Bottle verkleidete Glasrecyclingspezialist sogar eine Miniaturausgabe der Bunt- und Weißglascontainer mit in die Schulen, wenn er den Kindern erklärt, wie die Saftflasche zum Marmeladeglas wird und wie der Glaskreislauf seit 40 Jahren aussieht. Einen Einblick in eine Bobby-Bottle-Show erhalten Sie in diesem kurzen Video. In Deutschland erklärt die Sendung mit der Maus das Glasrecycling für Kinder. Ein Erklärungsvideo auch für Erwachsene gibt es von der AGR. Andere Schulprojekte zum Thema Recycling, clever einkaufen und Littering finden Sie auf vaboe.at.

Weitere Informationen …

Zum Artikel der AGR geht es hier …
Downloads zum Glasrecycling gibt es hier …
VABÖ-Newsletter vom Juni 2017: 40 Jahre Glasrecycling


07. APA Science Dossier:
Abfallvermeidung und Recycling für die Circular Economy

Abfallvermeidung und Recycling für die Circular Economy
© Gerhard Berger, Recyclingzentrum
Ahrental

Erstens vermeiden, zweitens verwerten und erst drittens vernichten lautet die Devise in der Abfallwirtschaft. Die EU hat dazu ein Abfallpaket verabschiedet, in dem Kreislaufwirtschaft, Abfallvermeidung und Recyclingquoten zentrale Rollen spielen. Auch die Schlagwörter „Urban Mining“, „Re-Use“ und andere innovative Konzepte kommen vor. (Quelle: APA Science)

In Österreich fielen 2015 knapp 60 Millionen Tonnen Abfall an. Seit 2009 ist das Abfallaufkommen damit um 10,4 % gestiegen, was vor allem auf das Bauwesen zurückgeht: Das Volumen an Aushubmaterialien ist, u.a. wegen den Großbaustellen Semmering- und Brenner-Basistunnel, um 40 % auf knapp 33 Millionen Tonnen gestiegen; das ist mehr als die Hälfte des gesamten Abfallaufkommens Österreichs von 2015. Vergleichsweise gering ist der Anstieg bei den Siedlungsabfällen, nämlich 7 %. Von den gesammelten Abfällen wurden 47 Prozent stofflich verwertet, sieben Prozent thermisch behandelt bzw. verwertet, 43 Prozent deponiert und drei Prozent in sonstiger Art aufbereitet. Von den Abfällen ohne Aushubmaterialien wurden 65 % recycelt und nur 9 % deponiert. Im Entwurf des neuen Bundesabfallwirtschaftsplan von 2017 wird insbesondere auf weniger Lebensmittelabfälle, Re-Use und die Gewinnung von Phosphor für Düngermittel aus Klärschlamm gesetzt.

Die österreichische Abfallwirtschaft ist Spitzenreiterin in Europa, was die Umsetzung der europäischen Abfallrichtlinien betrifft, etwa die Entsorgungsautarkie, so Christian Holzer, Leiter der Sektion Abfallwirtschaft, Chemiepolitik und Umwelttechnologie im Umweltministerium gegenüber APA-Science. Im Spitzenfeld sei sie auch in der Erfüllung der Abfallhierarchie in der Reihenfolge: Vermeidung, Vorbereitung für Re-Use, Recycling, andere Arten der Verwertung und erst zuletzt die Entsorgung. Seit dem letzten Bundesabfallwirtschaftsplan von 2011 haben sich vor allem das Recycling und die qualitativ höhere Behandlung der Abfälle positiv entwickelt. Bei Metallen ist die Recycling- und Verwertungsrate von 62 % 2011 auf rund 87 % 2013 gestiegen, was laut Holzer vermutlich auf den bessere Sortiertechnologien zurückzuführen ist.

Laut einem Bericht zum abfallwirtschaftlichen Erfolg der Mitgliedsstaaten der EU von 2012 erfüllen Österreich und die Niederlande den höchsten Standard in der europäischen Abfallwirtschaft. Beide erreichen 39 von 42 möglichen Punkten im Kriterienkatalog. 0 Punkte erhält Österreich für das erste Kriterium in der Liste: das Wirtschaftswachstum von der Abfallproduktion loszulösen. Konkret heißt das, dass der Siedlungsabfall pro Kopf in Österreich deutlich über dem EU-Durchschnitt von 474 kg pro Jahr liegt, nämlich bei 566 kg. Im Gegensatz zu anderen Ländern mit weniger Siedlungsabfällen pro Kopf wird in Österreich aber kein Siedlungsabfall unbehandelt deponiert. Bis 2030 soll die Menge von deponierten Siedlungsabfällen EU-weit nur noch maximal 10 % betragen. Bis 2030 sollen außerdem 70 % der Abfälle der ganzen EU recycelt werden, bisher sind es 44 %. Punkten konnte Österreich im Bericht der EU-Kommission u.a. mit dem Deponierungsverbot für biologisch abbaubare Abfälle, mit den hohen Verwertungsquoten der kommunalen Abfälle und mit seinem Abfallvermeidungsprogramm.

Die Grundlagen der EU-Abfallrichtlinie wurden im österreichischen Abfallwirtschaftsgesetz angewendet. Das sind aber nur Mindestanforderungen, so geht die im Oktober 2016 in Kraft getretene Recycling-Baustoffverordnung über die EU-Verordnung hinaus. Manche der EU-Verordnungen sind direkt anzuwenden, etwa die Abfallverbringungsverordnung, die die den grenzüberschreitenden Abfalltransport in der EU regelt.

Das Abfallpaket spielt eine wichtige Rolle für das Circular-Economy-Paket der EU-Kommission. Abgesehen von der enormen Lebensmittelverschwendung in der EU, diese soll bis 2030 um 50 % reduziert werden, hat das Recycling darin Vorrang. In Österreich gibt es beispielsweise Verbesserungspotential bei den Batterien, derzeit werden nur 50 % getrennt gesammelt, so Roland Pomberger vom Institut für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben. Um die künftig höheren EU-Quoten zu erfüllen, müssen die Recyclingtechnologien weiterentwickelt werden, aktuell gehören zu diesen vor allem sensorgestützte. An der Montanuniversität arbeitet seit April 2017 das Projekt „ReWaste 4.0“ an der besseren Verwertung von Restmüll.

Weitere interessante Themen im APA-Artikel sind das Arbeitsplätzepotential der Circular Economy, „Design for Re-Use“, das Abfallvermeidungsprogramm im Entwurf des Bundesabfallwirtschaftsplan 2017 und die Wirtschaftlichkeit von Recycling.

Mehr Informationen …

APA Science Dossier: Vom Müllberg zum Kreislauf
Abfallpaket der EU (Englisch)
Bundesabfallwirtschaftsplan 2017
APA Science Dossier: Repair, Re-Use und Shareconomy
Presseinformation: Screening Report Waste Management Performance of European Member States (Englisch)
EU-Abfallrichtlinie
Österreichisches Abfallwirtschaftsgesetz
Recycling-Baustoffverordnung
Recycling-Baustoffverordnung: Re-Use bei Gebäudeabbruch nun Pflicht!
Bessere Verwertung von Restmüll: ReWaste 4.0

Rund geht´s Kunststoffverpackungen


08. Kunststoffe in der Nahrungskette:
Neuseeland verbietet Mikroplastik in Kosmetika

Neuseeland verbietet Mikroplastik in Kosmetika
© Birgit H., pixelio.de

In einigen Hygieneprodukten wie Peelings, Duschgels, Zahnpasta werden häufig winzige Plastikteilchen beigemengt, obwohl sich viele Hersteller bereits dazu verpflichtet haben, in Zukunft darauf zu verzichten. Aber der Trend geht in die entgegengesetzte Richtung. Nun verbietet Neuseeland Mikroplastik in Hygieneartikeln ab Mitte 2018. (Quelle: enorm)

Ob Mikroplastik gesundheitsschädigend ist, wurde noch nicht endgültig geklärt. Gesundheitsfördernd sind die Plastikteilchen in der Nahrungskette (vor allem über Meeresfische) vermutlich nicht. Nach zahlreichen Umweltorganisationen nimmt sich auch die Politik allmählich des Themas an, unter anderem, wenn auch schleppend, in Österreich. Schneller geht es neben Neuseeland auch in Taiwan, wo Mikroplastik in Kosmetika ebenfalls ab Mitte 2018 verboten wird. In Italien wurde im letzten Jahr ein Gesetzesentwurf zu einem ebensolchen Verbot eingebracht. In anderen Ländern wird auch über Verbote diskutiert, in wieder anderen gibt die Politik bloß Empfehlungen.

In Neuseeland bejubeln Umweltorganisationen das Verbot, warnen aber gleichzeitig vor einer zu lockeren Anwendung, denn eine klare Definition von Mikroplastik für die konkrete Auslegung des Verbots ist noch nicht vorhanden.

Aber ein Verbot in Kosmetika kann nur ein erster Schritt sein. Denn Mikroplastik wird nicht einfach nur von Herstellern von Hygieneprodukten als solches produziert. Es entsteht auch, wenn sich größere Plastikobjekte zersetzen, so ähnlich wie Steine in bewegten Gewässern zu Sand werden.

Weitere Infos…

Artikel auf enorm
Ist Mikroplastik wirklich gefährlich?(enorm)
Gefahr von Mikroplastik (enorm)
Bericht von Greenpeace: Plastik in Fisch und Meeresfrüchten
Das Umweltbundesamt über Mikroplastik
VABÖ-Newsletter September 2017: In Österreich landen jährlich 21,3 Tonnen Kunststofffasern im Abwasser
Beat the microbead – internationale Situation

 

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